Was sind Leerverkäufe?

Nachdem ich die Rubrik “Wissen” schon länger nicht mehr erweitert habe, werde ich an diesem Wochenende ein paar neue Beiträge dazu einstellen.

Dieser Artikel befasst sich mit Leerverkäufen, auch Put oder Short genannt. Mithilfe eines Leerverkaufes möchte der Anleger an einem Fallenden Kurs im Basiswert partizipieren. Hierzu leiht er sich beispw. eine Aktie XY und verkauft diese sofort. Da er sich diese Aktie jedoch nur geliehen hat, muss sie zu einem bestimmten, vorher festgelegten Zeitpunkt wieder zurückgegeben werden. Nachdem der Shortseller – also derjenige der den Leerverkauf getätigt hat – die Aktie verkauft hat, hofft er darauf diese zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurückkaufen zu können.

Um das Vorgehen etwas klarer zu machen, hier ein fiktives Beispiel: ich gehe davon aus, dass die Aktie von Metro in den nächsten Wochen an Wert verlieren wird. Ich leihe mir nun von meiner Bank eine Metro-Aktie und verkaufe diese sofort zum aktuellen Marktpreis (50€). Nun habe ich 12 Monate Zeit, diese Aktie wieder an die Bank zu liefern und die Leihe damit abzuschließen. Nach vier Monaten ist der Kurs von Metro auf 30 Euro gefallen. Ich gehe davon aus, dass hier ein Boden erreicht ist und sich die Aktie wieder erholen wird. Also kaufe ich die geliehene Aktie (welche ich vor vier Monaten sofort verkauft hatte) zum aktuellen Marktpreis von 30€ und gebe sie der Bank zurück. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis (hier 20 Euro) ist nun mein Gewinn. Selbstverständlich kann der Kurs auch wiedererwartend steigen, die Differenz wäre in dem Fall negativ und damit mein enstandener Verlust.

Neben diesen “normalen” Leerverkäufen gibt es auch sogenannte ungedeckte Leerverkäufe. Hierbei leiht sich der Anleger die Aktie nicht, sondern verkauft quasi eine Aktie die er nicht besitzt. Zum Zeitpunkt, wenn der “naked-short” (also nackter/ungedeckter Leerverkauf) eingegangen wird, plant der Verkäufer allerdings auch nicht diese Aktien (die er ja nicht besitzt) zurückzugeben. Diese Praktik ist seit einigen Jahren in Deutschland verboten.

Umstritten sind Leerverkäufe deswegen, weil sie den Abwärtstrend einer Aktie zusätzlich verstärken können. Der Grund dafür ist, dass Aktien verkauft werden, sobald der Put eingegangen wird. Somit steigt das Angebot, die Nachfrage jedoch nicht zwingend. Viele Menschen vergessen allerdings, dass es auch andersherum laufen kann. Steigt der Kurs einer Aktie entgegen der short-seller, so müssen sie ihre Positionen irgendwann glattstellen – also die geliehenen Aktien zurückkaufen. Hierdurch steigt die Nachfrage, wobei das Angebot nicht zwingend ansteigt. Der Preis klettert also weiter nach oben, wodurch andere Short-Seller ihre Puts zurückkaufen müssen. Diesen Effekt nennt man short-squeeze, die Leerverkäufer werden quasi aus dem Markt gequetscht.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. 15. November 2011 um 6:45 nachmittags | #1

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