Goodbye Griechenland
Es wird langsam deutlich, dass eine Pleite Griechenlands nicht mehr lange auf sich warten lässt. Dass dieses Szenario eintritt ist für jeden klar denkenden Menschen schon lange nichts neues mehr, doch inzwischen scheint auch die Politik die Bevölkerung langsam darauf vorbereiten zu wollen. So sagte Angela Merkel heute, der Euro könne nur mit noch tieferer europäischer Integration und Verlässlichkeit erhalten werden. Genau daran fehlt es allerdings massiv, was im Umkehrschluss bedeutet dass die Eurozone in ihrer jetzigen Form wohl nicht mehr allzulange existieren wird.
Noch deutlicher wurde sie allerdings mit der Aussage, Deutschland bereite einen Plan zum Schutz von Banken vor, sollte Griechenland in die Pleite schlittern. Damit bringt sie nun auch öffentlich die Möglichkeite einer Insolvenz Griechenlands ins Spiel. Bereits heute gab es Gerüchte, wonach Griechenland kurz vor einer Zahlungsunfähigkeit stehe. Dass diese Spekulationen von der griechischen Regierung dem Börsensender CNBC gegenüber als “Müll” bezeichnet wurden lässt tief blicken. Eine solch drastische Wortwahl in der Öffentlichkeit zeugt von ungeheurer Verzweiflung bzw. Aussichtslosigkeit der Situation.
Bereits letzte Woche war das Prüfungsteam der EU und des IWF vorzeitig aus Griechenland abgereist, weil die Sparanstrengungen bei weitem nicht eingehalten wurden und die Reformbemühungen scheinbar auch nur sehr begrentzt sind. Ohne die Zustimmung dieser Kommission wurd es allerdings nicht zur Auszahlung einer nächsten Tranche aus dem Hilfspaket von EU und IWF kommen womit Griechenland sich nicht mehr Refinanzieren könnte – die Pleite wäre die Folge.
Es wird teilweise darüber spekuliert dass Griechenland bereits am Wochenende während des Treffens der G7 seine Zahlungsunfähigkeit oder den Austritt aus der Eurozone verkünden wird. Wie viel an diesen Gerüchten dran ist kann ich nicht sagen und möchte mich auch nicht an diesen Spekulationen beteiligen. Dass aber gerade heute der Chefvolkswirt der EZB, Jürgen Stark, seinen Rückzug aus der Europäischen Zentralbank verkündete hat zumindest einen bitteren Beigeschmack. Stark war einer der letzten in der EZB, welcher sich ausdrücklich gegen den Ankauf von Staatsanleihen von in Not geratenen EU-Ländern ausgesprochen hat. FDP-Finanzexperten Frank Schäffler nennt den Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark “einen schweren Schlag für den Euro”.
Es wäre also möglich dass die Ratten das sinkende Schiff verlassen, ähnlich wie es bei Ex-Bundespräsident Horst Köhler letzte Jahr der Fall war. Dass seine Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr nicht der wahre Grund für seinen Rücktritt gewesen sind ist relativ klar. Vielmehr dürfte sich Köhler, früher Chef des IWF, vom sinkenden Schiff EU gerettet haben, denn letzten Mai (Zeitpunkt seines Rücktritts) wurden die großen Probleme Griechenlands erstmal öffentlich.
Die Börsen jedenfalls tauchen heute ab, zum Xetra-Schluss verliert der Dax gut 4,2 Prozent auf 5.178 Zähler. Hier scheinen einige Anleger das Pleite-Risiko nicht mit ins Wochenende nehmen zu wollen, eventuell ziehen sich auch schon Insider aus dem Markt zurück – dies ist allerdings nur ein Gedanke meinerseits. Mit einem für Währungen sehr hohen Verlust von über 1,5 Prozent steht auch EUR/USD heute stark unter Druck. Vermeintlich sichere Anlangen sind dafür gesucht, sowohl deutsche, amerikanische und kanadische Staatsanleihen legen kräftig zu. Besonders deutliche Verluste hat der Dow Jones Stoxx 600 Bankenindex zu verkraften (-5%). Deutsche Bank (-7,35%) und Commerzbank (-8,75%) sind dementsprechend mit Abstand die schlechtesten Werte im Dax.



