EZB-Einlagefazilität
Hier finden sich aktuelle, mehrmals wöchentlich aktualisierte Charts, welche die Nutzung der EZB-Einlagefazilität darstellen. Der erste Chart hat einen Zeitraum von ca. vier Jahren und dient dazu die aktuelle Situation einordnen zu können, der zweite Chart zeigt einen Zeitraum von etwa einem Jahr und ermöglicht somit einen besseren Blick auf die momentane Entwicklung. Eine kurze Erklärung zur Einlagefazilität der EZB findet sich weiter unten.
01.05.2008 – 03.05.2012
01.05.2010 – 03.05.2012
Erläuterung:
Die Einlagefazilität stellt eine wichtige geldpolitische Maßnahme der Europäischen Zentralbank dar. Hier mit wird Geschäftsbanken der Eurozone die Möglichkeit gegeben, überschüssige (d.h. kurzfristig nicht benötigte) Liquidität bei der Zentralbank anzulegen, also quasi zu “parken”. Dafür kassieren sie einen geringen Zins, den sogenannten Einlagesatz, welcher aktuell 0,25% beträgt.
Den Grund, warum ich diese Charts hier zur Verfügung stelle werde ich im Folgenden erläutern. Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, wie Banken ihre überschüssige Liquidität anlegen können: bei der EZB, oder aber bei anderen Geschäftsbanken im sogenannten Interbankenmarkt. Da hier das Aufallrisiko höher ist als bei der EZB ist auch der dortige Zinssatz entsprechend höher. Als Maßsstäbe werden hier vor allem der LIBOR (London Interbank Offered Rate), teilweise auch der EONIA (Euro OverNight Index Average) herangezogen.
Möchte man nun feststellen wie groß das Vertrauen der Banken untereinander ist, muss man also die Entwicklung des Libor sowie die der EZB-Einlagefazilität beachten. Warum sollte man überhaupt an dem Vertrauen der Banken untereinander interessiert sein? Ganz einfach deshalb, weil der Interbankenmarkt für ein Funktionieren des Finanzsystems unerlässlich ist. Die Banken leihen sich untereinander ständig Geld, womit dieser Markt eine wichtige Möglichkeit zur Refinanzierung darstellt.
Je größer das Misstrauen der Banken untereinander, desto teurer werden dortige Kredite, was sich in einem steigenden LIBOR niederschlägt. Da dieser Zinssatz im Endeffekt nur ein Maßstab für das erwartete Ausfallrisiko ist, wird es immer riskanter anderen Banken Geld zu leihen. Nun bleibt nur noch die Europäische Zentralbank als Bunker für kurzfristig nicht benötigte Liquidität. Dementsprechend steigt das Volumen des in der Einlagefazilität angelegten Geldes mit dem Misstrauen der Banken untereinader an. Der LIBOR und die Nutzung der EZB-Einlagefazilität sind zusammen also verlässlicher Indikator für den Zusatand des Interbankenmarktes.
Wichtig ist noch zu erwähnen dass hier vor allem mehrwöchige bzw. mehrmonatige Trends von Bedeutung sind. Eintägige Ausreißer (nach oben wie nach unten) sind vernachlässigbar. Zudem ist zu beachten, dass die Einlagefazilität auch anderen Faktoren unterliegt. Es ist eine deutlich stärkere Nutzung Ende 2011 sowie im Februar 2012 zu erkennen – zu diesen Zeitpunkten stellte die EZB Liquidität durch einen dreijährigen Tender zur Verfügung, welche teilweise gleich wieder bei der EZB gelagert wurde. Hier ist also nicht das Misstrauen gestiegen, sondern schlichtweg die Geldmenge.





