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Archiv für die Kategorie ‘Leitartikel’

Es sieht nicht gut aus bei den Banken

16. Mai 2012 2 Kommentare

In den letzten Tagen und Wochen sind die Aktienmärkte in einen soliden, aber noch mäßigen Abwärtstrend übergegangen. Als fundamentaler Hauptgrund dafür darf vor allem Griechenland angesehen werden: die Regierung ist schon kurz nach der Wahl zum Scheitern verurteilt gewesen, inzwischen führt kein Weg um Neuwahlen herum. Die Gefahr, dass bei dieser Neuwahl die extremen Parteien aus dem linken und rechten Spektrum noch stärker werden könnten als bei der letzten Wahl vor wenigen Wochen ist nicht zu unterschätzen. Diese würden wahrscheinlich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone forcieren, was die Banken teuer zu stehen kommen würde.

Die Griechen wissen oder ahnen zumindest, was dort auf sie zukommen würde: eine Enteignung im großen Stil, zumindest was die Guthaben bei der Bank angeht. Die reichen Bürger haben ihr Geld natürlich schon lange außer Landes gebracht (nicht zuletzt um den Steuern zu entgehen), doch auch der “kleine Mann” scheint inzwischen gewillt zu handeln. So wurden in den letzten Tagen ca. 700 Millionen Euro von Konten in Griechenland abgehoben. Dies ist zwar noch kein Bankrun, abhängig von der weiteren Entwicklung in Griechenland könnte dieser allerdings nicht mehr lange auf sich warten lassen, was auch die griechische Zentralbank so sieht.

Sollte Griechenland aus der Eurozone austreten – was inzwischen ja sogar sonst grenzenlose Euro-Optimisten wie Herr Schäuble für möglich halten – würde dies massive Verluste für die Banken bedeuten. Die neue griechische Währung würde sofort massiv abwerten, womit der reale Wert der griechischen Schulden (und hier nicht nur die Staats- sondern auch die Unternehmensschulden) in sich zusammenschrumpfen würde. An diesem Punkt wird es natürlich wirklich spannend, vor allem weil sich die Risikokontrolle vieler Großbanken durch die Krise nicht nachhaltig zu ändern gehaben scheint. JP Morgan musste dies bereits öffentlich zugeben, doch warum sollte diese Bank sich so sehr von Mitstreitern wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, Unicredit oder der Deutschen Bank unterscheiden? Im Pessimalfall treffen also hohe Ausfälle auf Gläubiger mit schlechtem Risikomanagement.

Soviel in Kurzform zur Situation in Griechenland, auch die Verbindung zum globalen Bankensektor habe ich kurz aufgezeigt. Nun wird es Zeit, sich einmal mit der Einschätzung der Börsen zu beschäftigen, denn Kurse verraten häufig mehr über die Entwicklungen als die normalen Nachrichten. Momentan bietet sich kein schönes Bild.

Der folgende Chart zeigt die Zinsen der verschiedenen Staatsanleihen. Die blauen Zahlen sind der aktuell zu zahlende Zinssatz, die schwarzen Zahlen stellen die Veränderung zum Vortag dar. Angezeigt werden die Daten von gestern (15.05.), heute sind die Zahlen allerdings kaum verändert. Zu sehen ist, dass die Zinsen auf breiter Front gestiegen sind und teilweise astronomische Höhen erreicht haben. Griechenland kann man fast außenvor lassen, denn dieses Land ist schlichtweg pleite. Interessant sind vor allem die Zinsen von Spanien und Italien. Diese bewegen sich zwar noch nicht in einem besonders kritischen Bereich, nähern sich diesem aber wieder deutlich an.

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Soviel zu den Staaten. Nun folgt ein detaillierter Blick auf die Banken, welche quasi die Hauptgefahrenquelle für das Weltfinanzsystem und damit für die Wirtschaft darstellen. CDS (Credit Default Swaps) sind Kreditausfallversicherungen, über welche sich Gläubiger gegen einen Zahlungsausfall des Schuldners absichern können. Quasi eine Versicherung für Kredite. Kleine Randnotiz: CDS wurden kurz vor der Finanzkrise durch JP Morgan “erfunden”, die Bank also, welche jetzt rund zwei Milliarden Dollar mit eben diesen Derivaten verloren hat… . Es gilt: je teurer ein CDS ist, desto höher wird das Ausfallrisiko vom Markt eingeschätzt.

Der folgende Chart gibt einen guten Überblick über die Entwicklung der CDS einiger großer Banken. Auch diese Grafik ist von gestern (15.05.), durch die angezeigte Entwicklung der letzten fünf Tage ist dies allerdings nicht entscheident. Die beiden italienischen Banken haben unter der Abstufung durch Moody’s gelitten, bei den amerikanischen Instituten dürfte JP Morgan zumindest eine (Teil)-Schuld haben und die französischen Banken leiden in besonderem Maße unter dem neuerlichen Zittern um Griechenland. Anhand des “US Banks CDS Average” kann man die CDS-Werte der einzelnen Institute relativ gut einordnen.

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Doch nicht nur an den CDS ist abzulesen dass es um den Bankensektor nicht zum besten bestellt ist; auch der Dow Jones Stoxx 600 Banks Index, welcher die größten europäischen Banken (nach freier Marktkapitalisierung) enthält, befindet sich seit vielen Wochen im Abwärtstrend. Er notiert inzwischen unter seinem 200er Tage Durchschnitt und nähert sich seinem Tief aus dem Herbst 2011.

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Damit zeigt der Dow Jones Stoxx 600 Banks Index relative Schwäche zu den großen Aktienindizex (u.a. Dow Jones und Dax) und ist somit ein warnendes Signal. Die Banken laufen dem Gesammarkt immer ein bischen voraus, zudem bedingt ein Trend der großen Indizes auch einen entsprechenden Trend der Bankaktien. Ein Beispiel: im August letzten Jahres kam es zu einem kleinen Crash an den Aktienmärkten – der Stoxx 600 Banks Index war jedoch schon einige Monate vorher in den Abwärtsmodus übergegangen. Dies war zwar noch nicht der Zeitpunkt an dem die Kurse rapide absackten, der Aufwärtstrend an den Märkten war aber beendet.

Es kann sich also durchaus lohnen die Entwicklung des Stoxx 600 Banks Index und des Dow Jones zu vergleichen, der folgende Chart setzt die Entwicklung beider Indizes ins Verhältnis zueinander. Wer den Verlauf beider Linien im Frühjahr/Sommer 2011 und heute vergleicht, wird erstaunliches entdecken. Übrigends ist auch die fundamentale Situation durchaus vergleichbar: damals lief QE2 aus, heute verfliegt der Effekt der beiden Langfristtender (LTRO) der EZB zunehmend. Damals herrschte Angst bezüglich eines möglichen Schuldenschnittes in Griechenland, heute herrscht Angst dass die Griechen aus der Eurozone austreten…

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Last but not least kann man auch mal einen Blick auf die relative Entwicklung einzelner Finanzaktien zu ihrem Index riskieren. Fangen wir beim US-Markt an: hier habe ich einmal die Kursentwicklungen der vier großen im Dow Jones Index notierten Banken (MS, GS, BoA und JPM) ins Verhälts eben zum Dow Jones gesetzt. Letztlich unterscheidet sich das Bild nicht so sehr vom Verlauf Dow Jones/Stoxx 600 Banks Index, es ist aber relativ deutlich dass die Banken ihr Hoch bereits gesehen haben und deutlich nach unten gedreht sind, während sich der Dow Jones noch relativ wacker hält. Es ist eher davon auszugehen dass der Dow Jones den Banken folgt, als dass sich die Kurse der Bankaktien mittels einer massiven Erholung an den Dow Jones annähern.

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Als letztes noch ein Blick auf den deutschen Markt. Auch hier ein sogenannter Spread-Chart, also ein Chart welcher die relative Kursentwicklung verschiedener Wertpapiere zueinander zeigt. Enthalten diesmal: Dax, Allianz, Deutsche Bank sowie das “schwarze Schaaf” der deutschen Bankenbranche, die Commerzbank (gleich in der passenden Farbe…). Hier fällt vor allem auf, dass der Dax den Banken bereits relativ konstant gefolgt ist. Sowohl die Allianz, als auch die Deutsche Bank (durch ihr starkes Investment Banking die “amerikanischste” unter den deutschen Banken) haben ihr Hoch Ende März 2012 markiert und sind seitdem in einem Abwärtstrend. Soweit entsprechen sie dem Verlauf der amerikanischen Banken sowie dem Stoxx 600 Banks Index. Im Unterschied zum Dow Jones ist der Dax diesen Weg jedoch deutlich stärker mitgegangen als sein amerikanisches Pendant.

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Viel Text, viele Charts und doch ist die Kernaussage relativ kurz: durch die Entwicklung der Staatsschuldenkrise in Europa (später auch in anderen Teilen der Welt) kommen die Banken in eine immer schwierigere Situation. Wie bereits zu Anfang geschrieben, treffen große potentielle Verluste auf ein häufig schlechtes Risikomanagement der Banken. Im Großen und Ganzen bestimmen die Bankaktien den Trend des Gesamtmarktes und diese zeigen momentan eine klare relative Schwäche. Die Entwicklung der CDS auf viele Großbanken unterstützt die These, dass es nach ein paar Monaten der – durch die Notenbanken erkauften – Ruhe nun wieder ungemütlicher an den Finanzmärkten werden dürfte. Natürlich vorausgesetzt, es folgt nicht QE3 durch die FED oder LTRO3 durch die EZB.

Was noch hinzukommt: um die immer strenger werdenden Eigenkapitalvorschriften erfüllen zu können, müssen die Banken Risiken abbauen und sich in diesem Zuge auch von Wertpapieren wie Derivaten, Aktien oder (Staats-)Anleihen trennen. Die Devise heißt momentan also eher risk off. Durch das dadurch steigende Angebot, bei konstanter bis sinkender Nachfrage, entsteht ein weiterer Faktor welcher die Kurse an den Märkten drücken dürfte. Gold und auch Silber haben dies schon zu spüren bekommen…

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Hiermit wird der Verkauf der Long-Position auf die Aktie von IBM bekanntgegeben. Der Verkaufskurs liegt bei 155,40€ was einem Gewinn von 4,8 Prozent entspricht. Der Aufwärtstrend hat an Dynamik verloren, zudem blieb IBM im ersten Quartal 2012 beim Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Der Gewinn wird nun gesichert, ggf. erfolgt demnächst ein erneuter Einstieg, welcher natürlich auch hier im Blog bekanntgegeben wird.

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Das ‘Live-Trading’ ist ausdrücklich keine Anlageberatung. Ich stelle unter dieser Rubrik lediglich Trades vor, die ich für aussichtsreich halte und gegebenenfalls auch in meinem eigenen Depot umsetze.

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Kategorien:Leitartikel

Facebook und die Börse

4. Februar 2012 3 Kommentare

Bereits länger gibt es Gerüchte dass Facebook an die Börse strebt, seit zwei Tagen ist dieses Vorhaben offiziell. Facebook hat am Donnerstag seinen Emissionsprospekt bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC eingereicht und damit ist nicht nur der Startschuss für den Emissions-Countdown gefallen, das Unternehmen hat auch erstmals Einblicke in bisher geheime Unternehmensdaten gewährt. Auch wenn dieser Artikel recht umfangreich ist, so kann sich die Mühe durchaus lohnen, auch die Risiken von Facebooks Börsengang nicht aus den Augen zu verlieren.

Ein genaues Datum für den Börsenstart wurde noch nicht genannt, ebenso unklar ist ob Facebook an der NYSE oder an der NASDAQ gelistet wird. Der Börsengang wurde provisorisch mit 5 Milliarden US-Dollar beziffert, doch viele Analysten gehen davon aus dass sich dieser Betrag mindestens verdoppeln könnte. Es würde sich dann eine Gesamtbewertung zwischen 75 und 100 Milliarden US-Dollar ergeben. Dem Prospekt nach ist das 2004 gegründete Unternehmen seit 2009 profitabel und hat 2011 einen Gewinn von einer Milliarde Dollar erwirtschaftet, was einer Steigerung um 65 Prozent zum Vorjahr entspricht. Dort waren es noch 606 Mio. US-Dollar, nach $229 Millionen im Jahr 2009. Im letzten Jahr konnte Facebook auch seinen Umsatz stark steigern, nämlich um 88 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar.

Soweit die Fakten und so mancher wird sich schon die Hände reiben, in der Hoffnung, an dieser bisherigen Erfolgsgeschichte bald ebenfalls profitieren zu können. Auf den ersten Blick sehen diese Zahlen auch beeindruckend aus, ein Gewinn- und Umsatzwachstum weit über 50 Prozent, bereits seit drei Jahren profitabel und aktuell mehr als 845 Millionen aktive Nutzer weltweit. Soweit so gut. Doch auf den zweiten Blick fallen einige Punkte ins Auge, welche durchaus stutzen lassen.

So soll also ein Unternehmen, welches “nur” eine Milliarden Dollar Gewinn erziehlt hat, einen Wert von rund 80 bis 90 Milliarden US-Dollar haben? Klar, hier spielt die Fantasie auf weiterhin hohe Zuwachsraten im deutlich zweistelligen Prozentbereich eine entscheidende Rolle. Doch zum Vergleich: zum Ende letzten Jahres hatte Apple einen Börsenwert von ca. 374 Milliarden US-Dollar, Google war rund 207 Milliarden Dollar wert. Der Unterschied ist nur: sowohl Apple als auch Google sind seit vielen Jahren profitabel, zudem sind beide Konzerne nicht so extrem von einer Einnahmequelle abhängig wie Facebook.

Apple hat neben dem iPod, seinen Computern und Laptops auch das iPhone sowie das iPad zu bieten. Nicht zu verachten sind die die rund 70 Milliarden Dollar, welche das schuldenfreie Apple als Liquiditätsreserven hält. Bei Google bilden die Werbeeinnahmen zwar den größten Teil des Umsatzes, allerdings ist dieser Anteil bei weitem nicht so hoch wie bei Facebook. Außedem erschließt Google immer mehr neue Geschäftsfelder, beispielsweise mit deinem Google-Handy, seinem Betriebssystem Android oder dem Facebook-Konurrenten Google+.

Spiegel Online hat drei – qualitativ wie gewohnt gute – Artikel zum Börsengang von Facebook gebracht, die ich am Ende dieses Artikel verlinkt habe; wirklich empfehlenswert. Hieraus habe ich mal drei Grafiken entnommen, welche die extreme Bewertung Facebooks verdeutlichen:

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Google eignet sich wohl am ehesten als Vergleich zu Facebook, da beide Unternehmen noch relativ jung sind und das Werbe- und Anzeigengeschäft ihre größte Einnahmequelle ist. So generiert Facebook über 85 Prozent seiner Erlöse durch Werbung. Stellt man jedoch die Umsätze von Google und Facebook pro Jahr nach Unternehmensgründung gegenüber, so sieht man doch einen deutlichen Unterschied:


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Es ist deutlich zu erkennen, dass Facebook zwar in den ersten drei Jahren nach Gründung des Unternehmens vor Google lag, spätestens ab dem fünften Jahr allerdings deutlich in Rückstand geriet. Die Gründe für Googles Steigerung werde ich weiter unten nennen. Im Februar diesen Jahres wird Facebook acht Jahre alt. Google hat sich also in den ersten Jahren deutlich schneller entwickelt als Facebook, dennoch hat der Börsengang Googles “nur” knapp zwei Milliarden US-Dollar eingebracht – also nichteinmal die Hälfte der Schätzung von Facebooks IPO.

Auch ein Blick auf die quartalsweise Entwicklung der Umsätze von Facebook lohnt. Dabei wird nämlich schnell deutlich, dass das prozentuale Wachstum immer weiter nachlässt – doch basiert nicht ein großer Teil des Unternehmenswertes auf der Hoffnung, dass die enormen Zuwachsraten auch in Zukunft bestehen bleiben? Der folgende Chart zeigt die Umsätze pro Quartal seit März 2010 (linke Achse) sowie die jeweilige prozentuale Veränderung zum Vorjahresquartal (rote Linie, rechte Achse):


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Weiterhin astronomische Steigerungsraten lassen sich allerdings nur realisieren, wenn auch die Anzahl der Facebook-Nutzer weiter so schnell steigt wie zuletzt – doch genau daran zweifeln immer mehr Beobachter. So sind stagnieren die Nutzerzahlen im Heimatmarkt USA bereits, auch in Europa dürfte eine Sättigung in absehbarer Zeit erreicht sein. Somit wandert der Fokus vor allem auf Schwellenmärkte wie China, Indien und Russland. In China, immerhin dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, gibt es für Facebook allerdings nicht viel zu holen. Zum einen ist die Regierung in Peking sehr darum bemüht den chinesischen Markt abzuschotten, zum anderen gibt es bereits seit längerem Nachahmerprojekte in China, welche politisch deutlich bevorzugt werden.

Auch Google+ könnte in den nächsten Jahren zu einer ernstzunehmenden Bedrohung werden. Entscheidend wird hier denke ich sein, wie stark sich Google+ im Hinblick auf datenrechtliche Belange von Facebook absetzten kann. Die momentanen Steigerungsraten der Google+ Nutzerzahlen sind zwar beeindruckend, müssen allerdings mit Vorsicht genossen werden: so muss beispielsweise jeder Anwender, welcher bei Googles Maildienst Gmail ein Konto eröffnen möchte, gleichzeitig einen Account bei Google+ einrichten. Außerdem gibt es jetzt in der Startphase sicherlich einige Nutzer, welche diesen neuen Dienst einfach mal ausprobieren möchten. Allerdings hat Google natürlich eine Machtstellung, welche mit Facebook überhaupt nicht verleichbar ist. So ist Google u.a. in der Lage, seine diversen Dienste untereinander zu verknüpfen und so neue Nutzergruppen zu erschließen, zudem befindet sich das Unternehmen in einer ganz anderen Position bei der Aquise von Werbekunden und Kooperationen mit anderen Unternehmen. Facebook hingegen hat außer eben Facebook nichts zu bieten.

Hier eine Gegenüberstellung der Userzahlen von Facebook und Google+ seit Gründung. Hier muss vor allem der größere Bekanntheitsgrad Googles sowie der eben genannte Sondereffekt bzgl. Google-Mail Konten bedacht werden.


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Neben einer Steigerung der Nutzerzahlen in dem jetztigen Tempo, was im Hinblick auf die Konkurrenz und eine gewisse bereits jetzt existierende Marktsättigung in den wichtigen Märkten USA und Europa schwierig bis unmöglich werden dürfte, bleibt nur die Einnahmen durch neue Werbemöglichkeiten zu erhöhen. Auch hier lohnt ein Vergleich mit Google. So gelangt dem Suchmaschienengiganten erst nach einigen Jahren der Durchbruch mit dem Pogramm AdWords, welches die Werbeeinblendungen an die Suchergebnisse anspasst und somit personalisierte Werbung ermöglicht. Es folgte AdSense, welches die unkomplizierte Einbindung dieser Werbung in alle Webseiten erlaubt.

Facebook ist also auf eine ähnlich bahnbrechende Neuerung angewiesen, will es seine Werbeeinnahmen bei ähnlich großen Besucherzahlen weiter steigern. Hier könnte die mobile Nutzung von Facebook besonders interessant sein, da diese bisher werbefrei ist (siehe unten verlinkter Artikel der FTD).

Bisher sieht es jedenfalls nicht so aus, als wenn es der große Durchbruch für ein Unternehmen wäre, auf Facebook zu werben. Mark Gimein von Bloomberg.com hat einmal einen Selbstversuch gemacht und Werbung für den Kunstkurs einer Bekannten auf Facebook geschaltet. Dabei konnte man spielend leicht auch die Zielgruppe auswählen: sollte die Werbung nur bei Männern angezeigt werden, bei Personen welche an Kunst interessiert sind oder die in einem bestimmten Gebiet wohnen? Alles ganz leicht umsetzbar, auch eine Kombination wäre möglich gewesen: die Werbung hätte auch nur bei kunstinteressierten Männern aus Manhatten, westlich des Central Parks angezeigt werden können. Selbstredend, dass eine solch spezielle Kombination wohl nicht zum Erfolg geführt hätte. Doch auch so war das Ergebnis ernüchternd, obwohl sowohl die Texte, als auch die Grafiken der Anzeigen mehrmals angepasst wurden:

Insgesamt sahen 182.901 Menschen eine Facebookseite, an deren Rand die Kunstkurs-Werbung geschaltet wurde. Die Kosten beliefen sich auf $72,80 und von den 182.901 Personen denen die Werbung angezeigt wurde, haben lediglich 24 überhaupt auf die Anzeige geklickt. Dies entspricht einer Click-Through-Rate von 0,014%, üblich sind – bei personalisierter Werbung – Werte zwischen 1 und 2 Prozent. Wenn man hiervon noch die Menschen abzieht welche nur versehentlich auf die Anzeige geklickt haben, liegt man wohl bei einem Wert unter 20. Doch nicht nur die nackten Zahlen haben auf ganzer Linie enttäuscht, sondern auch die Tatsache, dass es für Gimein sehr schwer abzuschätzen war, was das Werben auf Facebook gebracht hat – ganz im Gegensatz zu Google.

Interessant ist auch ein Blick auf einige andere IT-Unternehmen, welche in letzter Zeit an die Börse gegangen sind. Ich habe mit LinkedIn ein etwas börsenerfahreneres Unternehmen rausgesucht (seit 19.Mai.2011 an der NYSE) und mit Groupon und dem Onlinespieleentwickler Zynga zwei noch sehr neue Aktien hinzugenommen. Letzteres pflegt eine enge Partnerschaft zu Facebook, Informationen darüber finden sich in dem unten verlinkten Artikel “Vorsicht vor Facebook-Euphorie” aus der FTD. Somit erklärt sich auch die Kursexplosion der Zynga Aktie in den letzten Tagen. Alle drei Aktien sind im Vergleich zum Dow Jones dargestellt, über einen Zeitraum von sechs Monaten, das Ergebnis ist sehr bescheiden:


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Abschließend kann man also sagen, dass ein Großteil des geschätzten Wertes von Facebook von 75 bis 100 Milliarden US-Dollar auf Zukunftshoffnungen beruht. Um diese erfüllen zu können muss die Konkurrenz allerdings auf Distanz gehalten werden, was grade im Hinblick auf Google+ schwer werden dürfte. Desweiteren müssen die Einnahmen durch Werbung und Anzeigen pro Nutzer deutlich gesteigert werden, bzw. Facebook als Werbeplattform muss effizienter und begehrter werden. Ich persöhnlich halte Facebook für klar überbewertet und werde die Aktie – sobald möglich – wohl leerverkaufen, zumindest aber auf keinen Fall eine Aktie kaufen.

Hier eine Übersicht über einige lesenswerte Artikel zu Facebooks Börsengang:

Mit Technologieaktien hatte ich mich außerdem bereits in diesem Artikel beschäftigt: Social Media – Reise nach Jerusalem.

Social Media – Reise nach Jerusalem

7. Juni 2011 4 Kommentare

Vielen Börsianern, vor allem denen die schon länger im Geschäft sind, wird die Jahrtausendwende in schmerzhafter Erinnerung geblieben sein. Damals platze die gigantische Technologieblase, der Neue Markt brach in sich zusammen. Ich möchte an dieser Stelle kurz die Gründe für das Entstehen dieser Blase anreißen.

Kurssteigerungen von hundert Prozent und mehr an nur einem Tag waren für damalige Techaktien nicht ungewöhnlich, es herrschte eine regelrechte Kaufpanik. Jeder wollte unbedingt in Technologieaktien investiert sein um so – vermeintlich narrensicher – das große Geld zu machen. Hedge- und Investmentfonds haben diese Entwicklung noch verstärkt indem sie ihren Kunden immer größere Gewinne versprachen, dadurch mehr und mehr Anlegergeld bekamen was sie wiederum in besagte Aktien investierten – die Kurse stiegen hierdurch immer weiter. Weil diese Fonds die Aktien die sie hielten auch im Fernsehen unablässig beworben, steigerten sie ihre Performance zusätzlich, denn ihnen wurde noch mehr Geld anvertraut. Man könnte sagen, die Investmentfonds betrieben eine ausgefeilte Form des Ponzi-Tricks, die darauf angewiesen war dass immer mehr neues Geld hereinkam.

Auch der von enormen Werbemaßnahmen begleitete Börsengang der Deutschen Telekom Ende der 90er Jahre führte zu einem großen Popularitätsschub von Aktieninvestments. Vor allem die Spekulation mit IPOs (Börsengängen) erfreute sich größter Beliebtheit, sogar in der breiten Bevölkerung. Dabei wurde darauf spekuliert, dass der Eröffnungskurs einer neu gelisteten Aktie höher ist als der von den Investmentbanken, welche den Börsengang begleiten, festgelegte Preis. In der damaligen Marktphasen waren die Gewinne fast garantiert, Neuemissionen waren in der Regel mehrfach überzeichnet (mehr Käufer als angebotene Aktien).

Dieser Chart vom Kursverlauf der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ verdeutlicht die enormen Ausmaße dieser Blase:

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Eine grundlegende Sache wurde in diesem Kaufrausch allerdings völlig ausgeblebendet: fast keines der neuen Internetunternehmen, welche die Börse mit neuen Aktien überschwemmten, erwirtschaftete einen nennenswerten Umsatz oder gar Gewinne. Das Internet war noch relativ neu und viele Menschen sahen darin eine technische Revolution, die weit über den aktuellen Stand hinausgeht.

Nicht zuletzt die Börsenaufsicht war vollkommen überfordert damit, sämtliche Internetunternehmen zu überprüfen, was Bilanztricks und auch -fälschungen Tür und Tor öffnete. Das bekannteste Beispielt hierfür ist wohl der Energiekonzern Enron. Damals eines der größten Unternehmen der USA mit rund 22.000 Mitarbeitern, war ein nicht unerheblicher Teil dieses Konzern auf gefälschten Bilanzen aufgebaut. Es würde allerdings den Rahmen sprengen jetzt näher auf die einzelnen Bilanztricks einzugehen.

Einer der beiden Hauptauslöser für den unglaublichen Kurssturz, welcher dem Platzen der Blase folgte, war ebenfalls Bilanzfälschung. So markierte die NASDAQ am 10.März 2000 ihren Hochpunkt bei 5.010 Punkten. Zehn Tage später ‘starb’ die New Economy, nämlich an dem Tag als das Unternehmen MicroStrategy bekannt gab, seine Einkünfte und Gewinne frisiert zu haben. Damals gab es an der Wall Street immer Lieblinge: Cisco war der Netzwerkliebling, Intel der Halbleiterliebling. MicroStrategy hingegen war der Internet- , der Internet-Infrastruktur- sowie der Business-to-Business Liebling. Man könnte als sagen, es war DER Liebling der Wall Street.

Der gesamten Welt hatte MicroStrategy vorgespielt, den ganz großen Wurf zu machen, das nächste IBM, Microsoft oder Oracle werden zu können – und die Anleger glaubten daran. Dementsprechend gravierend waren die Auswirkungen, als bekannt wurde dass in den Bilanzen getrickst worden war. Der Kursrutsch begann und viele professionelle Händler verkauften, als sie merkten dass es zu einem Crash kommt. Die ganzen unerfahrenen Privatanleger hingegen saßen die Kursverluste aus, in der Annahme dass die Erholung schon bald kommen werde. Wie der Chart oben schön zeigt kam sie nicht und so verloren viele Privatleute ihr Geld.

Soviel zur groben Geschichte der New Economy Der Hauptgrund für das entstehen einer solch gigantischen Blase waren also die massiven Überbewertungen der Internetunternehmen – und eine ähnliche Situation zeigt sich auch heute. Internetunternehmen wie Facebook, Twitter oder Grupon planen einen Börsengang oder ziehen einen solchen zumindest in Erwägung. Dabei haben auch diese Unternehmen relativ bescheidene Einnahmen bzw. Gewinne, sind allerdings extrem hoch bewertet. Der Grund für diese hohe Bewertung ist einzig und allein die Aussieht auf große Einkünfte und Gewinne.

Facebook, das weltweit größte soziale Netzwerk mit 600 Millionen aktiven Mitgliedern, wird aktuell mit ca. 70 Milliarden Dollar bewertet bei einem Umsatz von ca. 400 Millionen Dollar. Damit ist Facebook deutlich mehr wert als Konzerne wie Siemens, RWE oder Volkswagen. Der Kurznachrichtendienst Twitter wird Anfang März mit ca. 10 Mrd. Dollar bewertet, im Dezember 2010 war es noch rund die Hälfte. Umsatz: rund eine Million US-Dollar. Der ‘Live-Shopping’ Anbieter Grupon ist aktuell ebenfalls rund 15 Milliarden US-Dollar wert, der Umsatz beträgt ca. 760 Millionen Dollar.

Den Sprung an die Börse hat LinkedIn bereits erfolgreich überstanden. Am 19.05 erfolgte die IPO, also die Erstlistung an der New Yorker Börse. Dabei schoss der Kurs bereits am ersten Tag um bis zu 171 Prozent in die Höhe, die Aktie war also mehrfach überzeichnet. Daraus ergab sich eine Bewertung von bis zu 10 Milliarden Dollar. Am Ende des Handelstages stand immernoch ein Plus von gut 100 Prozent zu Buche.

Wie man sieht können alle diese Unternehmen ihre Bewertung noch lange nicht rechtfertigen, am größten ist die Diskrepanz bei Facebook. Die Bewertung resultiert in diesen Fällen ausschließlich aus der Hoffnung, dass sich Umsatz und Gewinn in den nächsten Jahren extrem steigern werden. Dabei haben Facebook und Twitter noch gar kein richtiges Geschäftskonzept, beide verdienen momentan nur durch Werbung.

Doch bei einem Unternehmen, welches nicht weiß wie man unabhängig von Werbeeinnahmen – welche sich wohl nur durch noch mehr Nutzer wirklich steigern lassen – Geld verdienen kann, erscheint eine Bewertung vom 175-fachen des aktuellen Umsatzes gradezu astronomisch. Es stellt sich also die Frage, ob hier eine neue Internetblase im Entstehen begriffen ist – sicher, noch weiß man es nicht. Doch wenn man auf die Warnzeichen achtet, wird es einem sicherlich schneller klar als denen, die einfach nur mitlaufen. So ist man am Ende hoffentlich nicht derjenige, der keinen Stuhl mehr erwischt…

Die USA sind faktisch pleite!

12. April 2011 6 Kommentare

Momentan redet jeder wieder über die PIIGS, die “hoffnunfslos überschuldeten” Länder Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien. Griechenland und Irland sind bereits vor einiger Zeit unter die Fittiche von EU und IWF geschlupft, Portugal hat es ihnen in dieser Woche gleichgetan. Ich habe ‘hoffnungslos überschuldet’ aus einem guten Grund in Anführungsstriche gesetzt – denn so ganz stimmt es nicht. Interessant ist hier die Definition, ab wann man eigentlich nicht mehr von einer Verschuldung, sondern von einer Überschuldung spricht. Ich werde dies im Laufe des Artikels nochmals aufgreifen. Das Entscheidende habe ich fett markiert: “nach menschlichem Ermessen”.

Überschuldet sind Personen – juristische wie Unternehmen, Verbände, Körperschaften u. ä. und natürliche (Privatpersonen) – wenn sie nicht nur verschuldet sind, das heißt, wenn ihnen weniger Werte gehören, als sie selbst anderen Werte schulden, sie also nach Übertragung aller eigenen Werte auf die Gläubiger immer noch Schulden hätten, die nicht bezahlt werden können, sondern erst, wenn nach menschlichem Ermessen feststeht, dass sich daran auch nichts ändern wird.

Diese Definition sollte im Hinterkopf behalten werden, ich werde wie gesagt später darauf zurück kommen. Doch nun wieder zu den PIIGS. Griechenland kann man zweifellos als überschuldet bezeichnen. Die Staatsverschuldung beträgt gut 150 Prozent, die Neuverschuldung betrug im Jahr 2010 immerhin 10,6 Prozent und die Wirtschaft liegt am Boden, eine erneute Rezession ist in greifbarer Nähe. Außerdem ist extreme Korruption und Steuerhinterziehung an der Tageordnung. Griechenland wird nach menschlichem Ermessen seine Schulden nicht mehr zurück zahlen können, weshalb nun sogar öffentlich über eine Umschuldung gesprochen wird.

Irland ist mit ca. 100% seiner jählichen Wirtschaftsleistung verschuldet, die Neuverschuldung im vergangenen Jahr bei satten 30 Prozent. Rund die Hälfte dieser Neuverschuldung entfällt dabei auf Rettungszahlungen an irische Banken, welche andernfalls zahlungsunfähig gewesen wären. Doch auch ohne die Banken läge die Neuverschuldung mit ca. 18 Prozent extrem hoch. Die irische Wirtschaft baut hauptsächlich auf den Banken und Finanzdienstleistern auf, Industrie oder einen diversifizierten Dienstleistungssektor gibt es nicht. Auch Irland kann seine Schulden dem menschlichen Ermessen nach nicht zurückzahlen.

Portugals Verschuldung beträgt momentan rund 80 Prozent des BIP, die Neuverschuldung liegt bei ca. 8 Prozent. Portugal ist allerdings das wirtschaftlich schwächste Land in der Eurozone und profitierte vor allem von Investitionshilfen der EU. In 2011 wird ein Schrumpfen der portugisischen Wirtschaft um ca. 1 Prozent erwartet – die Schulden sind aufgrund der miserablen wirtschaftlichen Verfassung nach menschlichem Ermessen nicht zurück zu zahlen.

Spanien und Italien werde ich etwas kürzer behandeln, denn eigentlich will ich in diesem Artikel auf die Probleme der USA aufmerksam machen. Italien ist aktuell in etwa so stark verschuldet wie Griechenland, nämlich mit etwa 130 Prozent. Die italienische Wirtschaft ist allerdings sehr viel robuster und auch breiter diversifiziert. Die ausstehenden Schulden Spaniens betragen momentan “nur” rund 60 Prozent des BIPs, allerdings liegt der wichtigste Wirtschaftszwei, die Baubranche, seit der Wirtschaftskrise am Boden. Viele Hypotheken bei spanischen Banken und Sparkassen drohen auszufallen. Diese beiden Länder können ihre Schulden nach menschlichem Ermessen noch so grade zurück zahlen, zumindest bisher.

Doch nun zu den Vereinigten Staaten. Die – noch- größte Wirtschaftsnation der Welt steht dabei den europäischen ‘Schuldenländern’ in nichts nach. Mit einer Verschuldung von knapp über 100 Prozent des BIP sind die USA sogar wesentlich höher verschuldet als das vor wenigen Tagen gerettete Portugal. Dies sind allerdings die offiziellen Zahlen. Die Amerikaner sind nämlich außerordentlich kreativ darin, ihre finanzielle Situation schön zu rechnen. Das BIP für 2009 betrug laut den offiziellen Zahlen 14,2 Billionen US-Dollar. Experten schätzen, dass die amerikanische Wirtschaftsleistung bis zu 30 Prozent niedriger sein könnte als es in Washington gesagt wird.

Deutlicher ist die Situation bei der Verschuldung: hier gehen Experten kollektiv von einer tatsächlichen Verschuldung von rund 75 Billionen US-Dollar aus. Dies entspräche einer Verschuldungsquote von astronomischen 520 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus 2009. Eine Maßnahme, wie die Situation schöngerechnet wird ist, dass Pensionszahlungen von immerhin 3 Billionen Dollar einfach ausgelagert wurden und somit nicht in der offiziellen Haushaltsrechnung auftauchen. Wie gesagt dies ist nur einer der angewandten Tricks, von denen es unzählige gibt. Selbstverständlich könnte man an dieser Stelle einwenden, dass es sich um eine Verschwöhrungstheorie handeln könnte, schließlich liegen 14 Billionen und 75 Billionen Dollar weit auseinander.

Doch hier kommt Bill Gross ins Spiel. Den meisten Menschen wird dieser Name nicht viel sagen, doch Bill Gross ist der Gründer von PIMCO, einer der größten Fondsgesellschaften der Welt. PIMCO hat sich vor allem auf Anleihen spezialisiert – der PIMCO Total Return Fonds ist der größte Anleihenfonds der Welt und hat dementsprechend viele Staatsanleihen im Portfolio. Anfang März sorgte eben dieser Bill Gross für ein kleines Erdbeben an den Finanzmärkten als er bekannt gab, dass sich PIMCO bereits im Februar komplett von seinen amerikanischen Staatsanleihen getrennt habe. Er begründete diesen Schritt mit den Kosten für sozialne Programme, darunter die Krankenversicherungen Medicare und Medicaid. Nach Darstellung von Gross tauchen die Ausgabenposten nicht in der laufenden Haushaltsführung auf und übersteigen die im Etat ausgewiesenen und durch Bonds gedeckten Verbindlichkeiten um ein Vielfaches.

In seiner Rechnung kommt er auf eine Schuldenlast von 75.000 Mrd. Dollar. Der Top-Manager folgert daraus, dass US-Treasuries deshalb “nur geringen Wert” hätten, vor dem erwarteten Wertverlust amerikanischer Anleihen schützt sich PIMCO durch den Komplettverkauf. Amüsant und gleichzeitig erschreckend ist sein Vergleich mit Griechenland: “We’re out-Greeking the Greeks” was soviel heißt wie “Wir sind griechischer als die Griechen”. Gross erwartet jedoch keine Zahlungsunfähigkeit im klassischen Sinne, also ein Ausfalls von Anleiherückzahlungen. Vielmehr sieht er eine “Kombination aus weniger wahrnehmbaren, aber doch historisch nachprüfbaren Politiken – Inflation, Währungsabwertung und niedrige bis negative reale Leitzinsen” als wahrscheinlich an. Eine Abwertung des Dollar hat dabei bereits eingesetzt, wie der US-Dollar Index zeigt. Dieser stellt den Wert des Dollar im Vergleich zu einem Währungskorb aus sechs großen Währungen dar:

US-Dollar Index seit 16.10.2010

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Eine Insolvenz der USA dürfte so manchem gradezu absurd erscheinen, doch die Nachrichten aus Washington zeigen deutlich wohin der Weg führt. So drohte bis Freitag Abend noch eine sofortige Zahlungsunfähigkeit der Vereinigten Staaten, denn die gesetzlich festgeschriebene Schuldenobergrenze von 14,98 Billionen Dollar war fast erreicht. Lediglich ein paar Milliarden Dollar fehlten noch, bis keine neuen Schulden mehr gemacht werden durften. Zwar einigten sich Demokraten und Republikaner sprichwörtlich in letzter Minute auf milliardenschwere Ausgabenkürzungen, wodurch die Schuldenobergrenze angehoben werden konnte – spannend wird es allerdings bei der Verabschiedung des nächsten Haushaltes, wo ein ähnlicher Streit aber in größerem Umfang zu erwarten ist. Siehe auch http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE73908720110410.

Nach erschreckender ist jedoch der in der vergangenen Woche vom US-Finanzministerium publizierte finale Finanzabschlussbericht für den Monat März. Diesem Bericht nach, hat der US-Staat im März $194 Milliarden an Gesamtsteuereinnahmen verzeichnet, von denen er wiederum $65,89 Milliarden an private Bürger und Unternehmen in Form von Steuerrückerstattungen ausbezahlte. Daraus ergeben sich Nettosteuereinnahmen in Höhe von $128,17 Milliarden für den Monat März. Im selben Zeitraum beliefen sich die Ausgaben des US-Finanzministeriums jedoch auf $1,1187 Billionen. Unterm Strich waren die Ausgaben alleine im März 2011 8,2 mal so hoch wie die Einnahmen. Interessant sind auch die Bereich, in denen die Ausgaben am höchsten waren: auf Platz drei liegen die Ausgaben für den Verteidigungssektor mit 37,9 Milliarden Dollar. Dieser Betrag dürfte in den nächsten Monaten noch ansteigen, alleine der vor kurzem begonnenee Krieg in Libyen kostet 50 Millionen Dollar pro Tag.

Es folgen die von Bill Gross angesprochenen Ausgaben für die Sozialversicherungssysteme, hier machen die Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid einen Großteil der $119,77 Milliarden aus. Der mit Abstand gräßte Ausgabenposten war jedoch der Schuldendienst, bzw. die Rückzahlung fälliger werdender Staatsanleihen mit satten 705,3 Milliarden US-Dollar. Dies ist aus einem einfachen Grund erschreckend: wenn man Schulden aufnehmen muss um alte Schulden zu bezahlen, bewegt man sich einen immer schneller werdenden Teufelskreis, aus dem man nur mit einem starken Wirtschaftswachstum ausbrechen kann. Davon sind die USA derzeit allerdings sehr sehr weit entfernt.

Besonders kritisch ist die Lage in einigen Bundesstaaten. Dort drückt der Schuh teilweise so eng, dass es zu teilweise gradezu absurden Sparmaßnahmen kommt, weil das Geld schlichtweg fehlt und diese Bundesstaaten de facto vom Kapitalmarkt abgeschnitten sind – die zu zahlenden Zinsen sind einfach zu hoch. Hier nur zwei Beispiele: Camden in New Jersey – die zweitgefährlichste Stadt der USA, entließ wegen Finanzierungslücken die Hälfte seiner Polizeikräfte. Die Weltstadt Chicago ist dem finanziellen Abgrund scheinbar so nahe, dass dort ernsthaft ewogen wird ein staatseigenes Kasino zu eröffnen, um eine zusätzliche Einnahmequelle zu schaffen. Weitere Beispiele unter Verrückte Sparmaßnahmen der USA.

Augrund dieser exorbitanten Verschuldung und den gleichzeitig eher mäßigen wirtschaftlichen Aussichten für die USA, ist die Lage in den USA ähnlich wie in Griechenland oder Irland, nur in viel größeren Dimensionen. Nach menschlichem Ermessen sind die Schulden der Vereinigten Staaten nicht zurückzuzahlen, zumindest nicht auf herkömmlichem weg (vgl. Aussagen von Gross). Spannend wird es an dem Punkt, wo die Mehrheit der Marktteilnehmer eben diese Tatsache realisieren und dementsprechend handeln. Das PIMCO sich komplett von seinen US-Staatsanleihen getrennt hat ist ein sehr deutliches Zeichen, welches wohl auch viele andere Investoren dazu bewegen wird sich einmal näher mit der finanziellen Situation der USA auseinander zu setzten.

Dabei spielen China und Japan als größte ausländische Käufer von US-Treasuries eine entscheidende Rolle. So ist China zunehmend nicht mehr auf die bisher bestehende Symbiose mit den USA angewiesen, denn der Binnenkonsum wird immer stärker. Dieses Wechselspiel zwischen China und den USA sah bisher folgendermaßen aus: China leiht den Amerikanern durch den Kauf von Staatsanleihen Geld, wovon wiederum in China produzierte Produkte gekauft werden. Von den dadurch erzielten Einnahmen konnte China den USA wiederum Geld leihen und der Kreislauf begannt von vorne.

Auch Japan wird sein Engagement zurückfahren, da auf das Land durch die Erdbeben und Tsunamikatastrophe enorme finanzielle Belastungen zu kommen. Somit ist die amerikanische Notenbank FED inzwischen zum größten Gläubiger des eigenen Landes geworden – finanziert durch ausschließlich neu erschaffene Dollars.

Die größten Gläubiger der USA im Jahr 2010

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Auch wenn die Vereinigten Staaten wohl nicht ihre Zahlungsunfähigkeit verkünden müssen, so sollte man sich dennoch darauf einstellen, dass die Schulden auf irgendeine andere Art beseitigt werden müssen. Vor diesem Hintergrund erscheinen Investments in US-Dollar nicht sehr lukrativ, da der Dollar immer weiter abwerten wird. Eine der Ursachen ist das Streben nach Inflation durch die FED, um die Staatsschulden so “weginflationieren” zu können.

Doch auch das am vergangenen Wochenende stattgefundene Treffen der Finanzelite in Bretton Woods – welches von den Medien größtenteils mit nicht einem einzigen Satz erwähnt wurde – könnte die Schuldenproblematik lösen. Eines der inoffiziellen Themen dieser Konferenz war die mögliche Einführung einer neuen Weltleitwährung, dem Bancor, womit sämtliche Schuldenprobleme gelöst wären das man den Wechselkurs nach belieben festlegen könnte. Zu diesem Treffen folgt in den nächsten Tagen noch ein Artikel.

Konjunktureller Ausblick 2011

22. Januar 2011 1 Kommentar

Für das noch relativ junge Jahr, habe ich – wie schon im Juni 2010 – einen umfangreichen Konjunkturellen Ausblick erstellt.  Eine aktuelle Version des Adobe Readers kann hier runtergeladen werden: http://get.adobe.com/de/reader/?promoid=COYSX

PDF: Konjunktureller Ausblick 2011

und hier nocheinmal die Version von Juni 2010 bis jetzt:

PDF: Konjunktureller Ausblick Juni 2010

Konjunktureller Ausblick USA Juni 2010

14. August 2010 4 Kommentare
Kategorien:Leitartikel
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