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Archiv für die Kategorie ‘Konjunktur’

FED: Meeting-Minutes vom 03.04.2012

3. April 2012 1 Kommentar

Heute um 20 Uhr (MEZ) wurden die Inhalte der Sitzung des Offenmarktaussschusses der FED veröffentlicht. Hier eine kurze Übersicht über die wichtigsten Inhalte:

  • Vorerst keine Notwendigkeit für weitere geldpolitische Lockerungen
  • Weniger Mitglieder als im Januar-Meeting sahen die Notwendigkeit für weitere geldpolitischen Lockerungen
  • Von den hohen Ölpreisen gehe keine inflationäre Gefahr aus
  • US-Wirtschaft im März nur mit schwachem Wachstum
  • Die aktuellen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt seien zwar positiv, allerdings ist eine Abschwächung im Jahresverlauf nicht unwahrscheinlich (ähnlich den Jahren zuvor). Kommentar: dies wird wohl eher nicht passieren, jedenfalls nicht bis die Präsidentenwahl im November entschieden ist.
  • Die Belastungen in den globalen Finanzmärkten haben seit Januar abgenommen, stellten aber immer noch ein signifikantes Abwärts-Risiko dar
  • Eine Reihe von Faktoren könnte das Wirtschaftswachstum in den USA abschwächen, darunter ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft und eine Rücknahme geldpolitischer Lockerungen

Insgesamt also wenig überraschendes, zumindest im Hinblick auf die amerikanischen Konjunkturaussichten der FED. Anders sieht die Lage allerdings bei dem Thema qantitative Lockerung aus. Hier waren noch zu Jahresanfang einige Personen des Aussschusses neuer Liquidität gegenüber eher positiv eingestellt, nun scheint sich die Stimmung geändert zu haben. Ein drastischer Meinungsumschwung hat allerdings nicht stattgefunden: zwar werden neue quantitative Lockerungen offenbar nicht für nötig gehalten, gleichzeitig stelle eine Reduzierung der aktuellen geldpolitischen Lockerungen eine Gefährdung für die US-Wirtschaft dar. Ganz vom Tisch ist das Thema also wohl nicht, aktuell scheint es jedoch andere Schwerpunkte zu geben.

FED: Hinweise auf QE3

26. März 2012 2 Kommentare

Bei seiner heutigen Rede vor der National Association for Business Economics hat FED-Präsident Ben Bernanke deutliche Hinweise in Richtung eines möglichen neuen Quantitative Easings (QE) gegeben. Ich habe im Folgenden einmal seinen Schlussteil/Zusammenfassung übersetzt:

Eine große Zahl von Indikatoren deutet momentan auf eine Erholung des US-Arbeitsmarktes hin, was grundsätzlich eine willkommene Entwicklung ist. Gleichzeitig ist die aktuelle Lage noch weit von dem Status “normal” entfernt, was beispielsweise an der hohen Anzahl von Langzeitarbeitslosen oder auch an der insgesamt hohen Arbeitslosenzahl und den Arbeitsstunden pro Woche zu sehen ist. Alle diese Daten liegen deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Zudem kann man sich nicht sicher sein, dass das aktuelle Erholungstempo noch über einen längeren Zeitraum anhält.

Dem okunschen Gesetz nach, dürfte der derzeitige Rückgang der Arbeitslosenquote mit einer Gegenbewegung der massiven Entlassungen Ende 2008/2009 zu begründen sein. Um diesen positive Entwicklung aufrechtzuerhalten, ist neben einer größeren Produktion auch ein verstärkter Konsum der Amerikaner notwendig. Dies ist ein Prozess, welcher durch eine Fortsetzung angebrachter Strategien unterstützt werden kann.

Ich habe heute außerdem über Langzeitarbeitslosigkeit gesprochen und erläutert, dass für deren starke Zunahme in der Rezession vor allem zyklische, nicht aber strukturelle Ursachen verantwortlich sind. Sofern diese Einschätzung korrekt ist, sind auch hier geeignete Maßnahmen zu Stärkung der Wirtschaft zielführend. Nichtsdestotrotz müssen wir die weitere Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit genau beobachten.

Wenn die Ursache der hohen Langzeitarbeitslosigkeit ein Mangel an Nachfrage zugrunde liegt und die Fortschritte in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geringer werden, könnten bei den Langzeitarbeitslosen zunehmend Wissenslücken entstehen und sie würden immer mehr den Anschluss verlieren. [Anmerkung: so würden sie den Anschluss an den Arbeitsmarkt verlieren, weil sie zu lange nicht in den allgemeinen Fortschritt eingebunden sind.] Dadurch könnte aus einem zyklischen ein strukturelles Problem werden.

Sollte diese Annahme [Anm.: zyklische statt strukturelle Ursachen] allerdings falsch sein und strukturelle Probleme für den starken Anstieg verantwortlich sein, wären die Möglichkeiten antizyklischer Maßnahmen begrenzt. Sollte dies der Fall sein, heißt das aber noch nicht, dass nichts unternommen werden kann. Sollten strukturelle Ursachen für den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit verantwortlich sein, ist es umso wichtiger, dass die richtigen Schritte unternommen werden, damit die Arbeiter ihre Fähigkeiten erhalten können, welche von der sich rasend schnell verändernden Wirtschaftumfeld gefordert werden.

Bernankes komplette Rede (englisch): http://federalreserve.gov/newsevents/speech/bernanke20120326a.htm

Es wird mehr als deutlich dass die FED willens ist, die nach wie vor nicht zufriedenstellende Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarktes zu bekämpfen. Viel deutlicher als Ben Bernanke es hier gemacht hat geht es eigentlich nicht, vor allem wenn man sich einmal die Wortlaute älterer Reden anschaut auf welche tatsächlich QE1, QE2 oder die Operation Twist gefolgt sind. Häufig wird die Aussage “erhöhte Wachsamkeit” bei Reden eines Notenbankpräsidenten schon als sicheres Indize dafür genommen, dass die Leitzinsen demnächst gesenkt werden – demensprechend deutlich ist die Formulierung “can be supported by continued accommodative policies” (kann durch eine Weiterführung geeigneter Maßnahmen unterstützt werden). Ob sich diese Aussage auf QE2 oder auf die Operation Twist bezieht bleibt abzuwarten, ich halte ersteres allerdings für wahrscheinlicher.

Natürlich ist auch noch nicht beschlossen dass die FED dem Markt erneut Liquidität zuführen wird. Nicht zuletzt einige andere FOMC-Mitglieder, welche einer solchen Aktion zustimmen müssten, sind skeptisch, inwieweit neues Geld zur Behebung der Probleme führt und nicht evtl. neue (Inflation) verursacht. Im April, beim nächsten FOMC-Meeting, werden wahrscheinlich Fakten geschaffen.

Klar aber ist, dass die Börsen Bernankes Aussagen heute mehr als positiv aufgenommen haben. Nahezu alle Anlageklassen konnten zulegen, besonders spekulative Anlagen wie Aktien und Edelmetalle haben heute kräftige Zuwächse erfahren. Sollte es tatsächlich eine Art QE3 schon im April geben, wären die Märkte über einen langen Zeitraum einer Liquiditätsflut ausgesetzt. Angefangen mit dem ersten Langfristtender der EZB im Dezember 2011, über den zweiten Langfristtender, bis zu QE3 oder einem ähnlichen Programm. Wie lange dann noch fast sichere Kursgewinne möglich sind bleibt abzuwarten, denn nach und nach könnten sich die Finanzmärkte an einen dauerhaften Liquiditätszufluss gewöhnen.

Europa auf dem Weg in die nächste Rezession

Die wenigsten aufmerksamen Menschen wird es verwundern, auch hier im Blog wurde oft genug darauf hingewiesen: durch starkes sparen verringern sich nicht in erster Linie die Schulden eines Landes, sondern vor allem die Wirtschaftsleistung. Dies wird in den letzten Tagen durch diverse europäische Einkaufsmanagerindizes bestätigt. Grundlage dieser Indizes sind Befragungen ausgewählter Einkaufsmanager einiger Unternehmen hinsichtlich diverser Faktor, wie z.B. der aktuellen Auftragslage, Einkaufspreisen und der Anzahl an Exportaufträgen. Die Indizes haben einen Referenzwert von 50: ein Wert über 50 zeichnet ein positives Bild der Konjunkturaussichten, ein Wert kleiner als 50 deutet dementsprechend auf eine Rezession hin.

Schon seit längerer Zeit liegen die Werte in einigen europäischen Ländern (u.a. Griechenland, Italien und Spanien) deutlich unter 50 Punkten. Somit war klar, dass auch die Exportnation Deutschland mittelfristig nicht um einen Rezession herumkommen wird, wenn die Lage in den Absatzmärkten immer schlechter wird. Hier eine kleine Übersicht einiger Indexstände:

  • Frankreich: Industrie: 47,6; Dienstleistung: 50
  • Deutschland: Industrie: 48,1; Dienstleistung: 51,8
  • gesamte Eurozone: Industrie: 47,7; Dienstleistung: 48,7
  • China: Industrie: 48,1

Dies sind Erstschätzungen für März, in Italien und Spanien wird leider keine solche Erstschätzung vorgenommen. In den meisten anderen europäischen Staaten sieht die Lage nicht besser aus, im Gegenteil. Woher sollen nun also die Wachstumsimpulse kommen, wenn inzwischen auch China als “Konjunkturlokomotive” ausfällt? Dabei stellt sich auch die Frage, inwiefern die aktuellen Rekordstände an den Aktienmärkten gerechtfertigt sind. Sowohl der Dax, als auch der Dow Jones sind nicht mehr all zu weit von ihren Höchstständen aus dem Jahr 2007 entfernt – und das, obwohl die konjunkturellen Aussichten heute deutlich schlechter sind als damals.

Einer der Hauptgründe für die starke Performance der Aktienmärkte ist die viele neue Liquidität der Notenbanken. Doch sobald diese nicht mehr in die Märkte fließt, könnte es ungemütlich werden. Damit schließt sich der Kreis, denn je schlechter die wirtschaftliche Situation ist, desto mehr Geld werden die Banken als Risikopuffer horten. Somit können bspw. Verluste im Immobilienmarkt, welcher bei einer schlecht laufenden Konjunktur leidet, abgefehdert werden. Für die Aktienmärkte bleibt dann allerdings weniger Geld übrig und auch die Staatsanleihen von Italien, Spanien und Portugal dürften ab diesem Punkt wieder in den Blickpunkt rücken.

Eines darf man nicht vergessen: die Aktienkurse spiegeln momentan in den wenigsten Fällen die wirtschaftliche Situation oder die Aussichten wieder. Vielmehr wurde mit viel Geld eine parallele Scheinwelt aufgebaut, welche viele Menschen inzwischen wieder sagen lässt “ist doch alles nicht so schlimm, die Krise ist lange vorbei”. Doch sobald diese scheinbar perfekte Prallelwelt nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, wird sich die düstere Realität mehr als deutlich bemerkbar machen.

Ich möchte hier keine Panik schüren oder Pessimismus verbreiten und schon gar nicht dazu raten, sich gegen den aktuellen Aufwärtstrend zu stellen (auch wenn sich erste Schwächezeichen zeigen). Vielmehr möchte ich aufzeigen, dass man sich nicht von den Aussagen der meisten Politiker und Wirtschafts”experten” und schon gar nicht von den Aktienkursen blenden lassen sollte. Die Realität wird die Märkte zwangsläufig einholen und man ist immer in einer besseren Position als die Masse, wenn man selbst nicht davon überrascht wird.

LTRO#2: 800 Banken erhalten 529 Milliarden Euro

29. Februar 2012 4 Kommentare

Heute hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihren zweiten Dreijahrestender vergeben. Wie erwartet lag die Summe der Gebote mit ca. 530 Mrd. Euro deutlich über der vom 21.Dezmeber 2011 (damals 489 Mrd. Euro). Dieser zweite Tender läuft bis zum 26.02.2015 also knappe drei Jahre. Der Zins ergibt sich aus einem Mittelwert des Leitzinses bis zum Fälligkeitstag. Wie angekündigt wurden alle Gebote bedient (full allotment) und wie bereits beim ersten Tender wird die EZB nicht publik machen, welche Bank wie viel Geld nachgefragt hat.

Es bleiben also nur Spekulationen. Bereits im Vorfeld haben sich vor allem nordeuropäische Banken (deutsche, niederländische, finnische etc.) skeptisch gegenüber LTRO#2 gezeigt, weshalb die Nachfrage wohl hauptsächlich von spanischen, italienischen, portugisischen, griechischen und evtl. französischen Banken ausging.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob das Ergebnis der heutigen Auktion positiv oder eher negativ zu werten ist. Schließlich war teilweise ein Volumen deutlich über 530 Milliarden Euro erwartet worden. Für mich persöhnlich überwiegen die negativen Aspekte. Zwar ist der durchschnittliche Kredit pro Bank mit rund 661 Millionen Euro wesentlich geringer als noch im letzten Dezember bei damals ca. 935.4 Mio. Euro. Heute lag die Gesamtsumme allerdings um gut 40 Milliarden Euro über der des letzten Tenders, außerdem gaben 800 statt vormals 523 Banken ihre Gebote ab.

Hieraus lassen sich zwei Dinge ableiten: zum einen ist der Kapitalbedarf offenbar unverändert hoch und das, obwohl die Staatsschuldenkrise momentan “Pause” macht und die Zinsen fast aller Staatsanleihen deurlich gesunken sind. Dies lässt sich wohl hauptsächlich dadurch erklären, dass die Banken gesehen haben, dass tatsächlich keine Namen an die Öffentlicheit kommen, der Tender also vollkommen anonym ist. Im Falle einer Teilnahme waren und sind also wirklich keine negativen Konsequenzen zu erwarten.

Zum anderen, und das ist in meinen Augen wichtiger als des erhöhte Volumen, ist die Anzahl der teilnehmenden Banken. 277 Institute haben heute mehr teilgenommen als noch im Dezember, was einer Steigerung von ca. 35 Prozent entspricht. Es ist also keineswegs so, dass lediglich ein paar Banken Kapitallücken haben – genannt wurden in diesem Zusammenhang bisher vor allem Unicredit, die Societe Generela, Intesa Sanpaola oder die Credit Agricole. Vielmehr scheint vielen europäischen Banken eine solide Finanzsituation bzw. eine vernünftige Finanzierung abzugehen. Diese Tatsache könnte dann für Probleme sorgen, wenn die Schuldenkrise wieder mit voller Kraft zurückkehrt; und das wird sie früher oder später.

Damit kommen wir auch schon zu den möglichen Auswirkungen. Gut wäre es, wenn die Banken ihr neues Geld für die Kreditvergabe nutzen und/oder in Staatsanleihen und Aktien investieren würden. In diesem Falle könnten wir eine mehrwöchige Fortsetzung der aktuellen Rallye sehen. Sollten die Banken die neue Liquidität allerdings bei der EZB “parken”, quasi um eine Notreserve zu haben, sind bald deutliche Korrekturen an den Finanzmärkten wahrscheinlich. Zur Überprüfung eignet sich bspw. die Einlagenfazilität der EZB, in welcher Banken ihre überschüssige Liquidität gegen einen geringen Zins lagern können. Sollte das dort deponierte Volumen stark ansteigen, deutet dies auf eine gewissen Risikoaversion der Banken hin. Der Verlauf der Einlagenfazilität kann hier verfolgt werden, die Charts werden mehrmals wöchentlich aktualisiert.

Griechenland in starker Rezession – oh Wunder!

15. Februar 2012 1 Kommentar

Welch groteske Situation: während jeder Fortschritt im Kampf um neue Einsparungen und hin zu einem zweiten Hilfspaket für Griechenland an den Börsen sofort gefeiert wird, machen die griechischen Konjunkturdaten klar, dass es eigentlich anders herum laufen müsste. Die Fakten sind schneller genannt als verdaut:

  • Die Wirtschaftsleistung Griechenlands sank 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 6,8 Prozent!
  • 2010 schrumpfte die griechische Wirtschaft bereits um 4,5 Prozent!
  • Im November 2011 lag die Arbeitslosenquote in Griechenland bei 20,9 Prozent!
  • Im Oktober 2011 lag die Arbeitslosenquote noch bei 18,2 Prozent!

Klar ist, dass sich eine hohe Arbeitslosigkeit und eine schrumpfende Wirtschaftsleistung gegenseitig bedingen. Ausgelöst wurde beides hingegen zum großen Teil durch die umfangreichen Sparmaßnahmen, welche als Bedingung für finanzielle Unterstützung gefordert werden. Inzwischen braucht man nicht mehr viel dazu sagen, dementsprechend ist die folgende Frage eher noch rethorischer Natur – wie soll ein Land mit einer Artbeitslosenquote von knapp 21 Prozent, dessen Wirtschaft mit rasender Geschwindigkeit in sich zusammenfällt, seinen Schuldenberg reduzieren?

Doch die aktuellen Probleme sind scheinbar noch nicht genug, es muss noch ein zweites Sparpaket her, welches weitere Einsparungen von ca. 14 Milliarden Euro bis 2014 beinhaltet. Einer der Eckpfeiler dieses neuen Sparprogrammes ist die Entlassung von weiteren 100.000 Beamten. Wenn 1.029.587 arbeitslose Griechen einer Quote von 20,9% entsprechen, ist klar dass die Arbeitslosenquote bei den geplanten Stellenstreichungen nochmals explodieren wird. Wie ein Land mit einer Arbeitslosenquote von dann über 30 Prozent auf ein wirtschaftlich und finanziell solides Fundament gestellt werden soll vermag ich nicht zu beurteilen, lasse mich aber gerne überraschen. Es wird zwangsläufig auf einen Euroaustritt hinauslaufen, anders lässt sich das Dilemma nicht lösen.

Was außerdem viele vergessen: Deutschland lebt vom Export und gerne wird das Argument angeführt, die Eurozone müsse um jeden Preis gerettet werden, weil Deutschland ja 60 Prozent seiner Waren innerhalb der EU verkauft. Abgesehen davon, dass bisher nie davon die Rede war um wie viel sich diese Exporte bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone verringern würden (denn es würden ja nicht sämtliche EU-Exporte, als 60%, wegbrechen), schaden auch Deutschland die Sparprogramme in den südeuropäischen Staaten. Mit jeder Haushaltskürzung in Spanien, Italien, Portugal oder Griechenland sinkt auch das Exportvolumen aus Deutschland in diese Staaten. Sei es auf direktem Wege, weil staatliche Infrastrukturprojekte gestrichen werden, welche u.U. von einem deutschen Konzern realisiert worden wären, oder aber indirekt, weil die Bürger dieser Länder weniger Geld haben und dementsprechend weniger konsumieren. Das bekommen dann auch die Unternehmen zu spüren und Maschienen u.ä. Made in Germany werden nicht mehr so stark nachgefragt.

Eins noch zum Schluss: neben der absoluten Verschuldung wird ja sehr häufig die Verschuldung relativ zum Bruttoinlandsprodukt beachtet. Hier treffen allerdings zwei gegenläufige Entwicklungen zusammen, denn während die absolute Verschuldung weiter steigt, schrumpft das BIP mit großen Sprüngen. Entsprechend schnellt die Verschuldung in Prozent vom BIP in ungeahnte Höhen. Wie passen da also noch die Begriffe Sparpaket und Rettungsschirm zusammen?!

Negative Frachtsätze

6. Februar 2012 2 Kommentare

Es ist schon länger bekannt, dass die Schifffahrtsbranche in großen Problemen steckt und diese auf absehbare Zeit eher größer denn kleiner werden. Außerdem durfte man sich vor ein paar Wochen darüber wundern, dass Investoren Deutschland Geld geben um deutsche Staatsanleihen kaufen zu dürfen (negativer Zinssatz) – ein Zustand übrigends, welcher in der Schweiz schon länger bekannt ist.

Kombiniert man diese beiden Dinge, so erhält man negative Frachtsätze. Eigentlich unvorstellbar, doch der schweizer Rohstoffkonzern Glencore konnte sich jüngst darüber freuen, 2.000 US-Dollar zu kassieren dafür dass ein Frachtschiff gemietet wird. Grund für dieses auf den ersten Blick absurde Konstrukt ist, dass die Schiffe seetüchtig gehalten und bewegt werden müssen, andernfalls sind sie nach ein paar Monaten nicht mehr einsatzfähig.

Ihre Ursache haben diese Zustände in der Tatsache, dass die Reedereien weltweit auf massiven Überkapazitäten sitzen und diese auf absehbare Zeit wohl noch zunehmen werden. Nun rächt sich, dass immer in Zeiten konjunktureller Hochstimmung neue Schiffe geordert werden – aufgrund ihrer Bauzeit und der vollen Auftragsbücher der Reedereien werden diese Schiffe allerdings erst Jahre später ausgeliefert. Zu diesem Zeitpunkt ist der Boom dann in der Regel allerdings schon vorbei. Außerdem wurden schlichtweg zu viele zu große Schiffe bestellt. Klar, dass dieser Zustand für die Unternehmen nicht lange tragbar ist, sowieso werden die viel zu großen Kapazitäten ihre Opfer unter den Reedereien fordern.

Dies ist übrigends auch einer der Gründe für die aktuelle Abwärtsbewegung des Baltic Dry Index, welcher die globalen Frachtraten abbildet und daher gerne als Konjunkturindikator gesehen wird. Bei folgendem Chart wird klar, warum einige Menschen einen Einbruch der Weltkonjunkur erwarten, was in letzter Zeit auch immer mal wieder in Wirtschaftszeitungen zu lesen war. Unter Berücksichtigung der oben genannten Überkapazitäten, dürfte diese Argumentation allerdings hinfällig werden.

Wochenchart des Baltic Dry Index, seit Februar 2009

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FED: Inhalte der FOMC-Pressekonferenz vom 25.01.2012

Heute stand mal wieder eine Pressekonferenz des Offenmarktaussschusses der FED an. Hier die wichtigsten Aussagen und Inhalte im Überblick (Kommentare des FED-Präsidenten Bernanke sind immer eingerückt):

Konjunktur:

  • US-BIP: Die Fed rwartet für 2012 ein Wirtschaftswachstum von 2,2% bis 2,7%.
  • Fed-Prognose US-BIP 2013: 2,8% bis 3,2% | 2014: +3,3% bis +4,0%
    • Die Wirtschaft wächst weiter moderat
    • Es gibt Anzeichen einer sich abschwächenden Weltwirtschaft
    • Es gibt weiter Spannungen an den globalen Finanzmärkten
    • Die US-Wirtschaft erfährt Gegenwind aus Europa.
    • Es gab zuletzt ermutigende Nachrichten aus der Wirtschaft

Geldpolitik und Inflation:

  • US-Leitzins: 11 von 17 Fed-Mitgliedern sehen den Leitzins 2015 bei über 0,25%.
  • US-Leitzins: 6 von 17 Fed-Mitgliedern sehen keine Erhöhung des Leitzinses vor 2015.
  • Fed-Prognose Kerninflation 2013: 1,5% bis 2,0%.
    • Die Geldpolitik ist weiterhin “sehr versorgend”
    • Die Transparenz in der Geldpolitik soll steigen
    • Die Fed zielt auf eine stärkere Konjunkturerholung
    • Eine höhere Inflation senkt die Fähigkeit zu Entscheidungen
    • Die Fed ist bereit für weitere Schritte, wenn nötig
    • Die Option weitere Anleihen-Rückkäufe liegt auf dem Tisch
    • Die Fed erwartet in den kommenden Jahren eher eine niedrigere Inflation

Arbeitsmarkt:

  • Die Fed will kein langfristiges Ziel für die Arbeitslosenquote formulieren.
  • Arbeitslosigkeit Ende 2012: 8,2% bis 8,5%
    • Es gibt einige Verbesserungen auf dem US-Arbeitsmarkt
    • Die Fed erwartet eine sehr hohe Arbeitslosenquote
    • Die Fed kann über drei bis vier Jahre nur eingeschränkt Prognosen abgeben.

Original Presseveröffentlichungen der FED (englisch):
http://www.federalreserve.gov/newsevents/press/monetary/20120125a.htm
http://www.federalreserve.gov/newsevents/press/monetary/20120125c.htm

Europäischer Staatsanleihenkalender für 2012

Über eine Billion Euro – diese Summe müssen sich die wichtigsten Euroländer in diesem Jahr an den Finanzmärkten beschaffen. Der Großteil davon entfällt auf Frankreich und Italien und während es noch zu Jahresbeginn ein Rätsel war wie sich Italien über 337 Milliarden Euro leihen soll, sieht die Sache jetzt schon ganz anders aus. Italienische und spanische Anleihen rentieren deutlich unter ihren Höchstständen vom Herbst 2011, die Eurokrise verabschiedet sich – mit Ausnahme Griechenlands – mehr und mehr in die Hintergrund.

Wann es mit dieser Ruhe vorbei sein könnte zeigt der folgende durch Goldman Sachs veröffentlichte Kalender welcher das Refinanzierungsvolumen der wichtigsten Staaten der Eurozone nach Monaten und Art der Anleihen auflistet. Ein guter Überblick, wann sich die  Eurokrise wieder zurückmelden oder aber ihre Auszeit verlängern könnte:


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Neuer Rekord bei Einlagefazilität der EZB

29. Dezember 2011 3 Kommentare

Die Einlagefazilität der EZB wurde gestern für gut 452 Milliarden Euro genutzt und damit so stark wie noch nie zuvor. Dies ist eine Möglichkeit für europäische Banken, “überschüssige”, also kurzfristig nicht benötigte, Liquidität bei der Zentralbank einzulagern und steht damit in direkter Konkurrenz zum Interbankenmarkt. Dieser bietet eine andere Möglichkeit, sich kurzfristig nicht benötigter Liquidität zu entledigen, in dem diese einfach als Kredit an andere Banken vergeben wird. Der hier zu erzielende Zinssatz ist natürlich deutlich höher als der der EZB-Einlagefazilität, womit sich zwei Interpretationsmöglichkeiten ergeben:

Entweder, die Banken parken hier einfach viel von dem Geld, welches sie vor gut einer Woche im Rahmen des Langfrist-Tenders der EZB aufgenommen haben. Dies würde jedoch bedeuten, dass eines der Ziele dieses Tenders, nämlich die Banken zum Kauf von Staatsanleihen zu bewegen, mehr oder weniger verfehlt wurde. Sowohl gestern als auch heute gab es mehrere Auktionen italienischer Staatsanleihen, wobei an beiden Tagen die Zinsen zwar sanken, allerdings nicht so viel Geld eingenommen wurde wie erhofft.

Oder aber die Banken versuchen an allen Ecken und Enden Risiken abzubauen. Nicht zuletzt das dürfte der Grund für die momentane Schwäche des Aktienmarktes sowie der Edelmetalle Gold und vor allem Silber sein. Es ist schlichtweg sicherer, sein Geld bei der Zentralbank zu lagern, statt es an andere Banken zu verleihen und somit zwar höhere Zinsen zu bekommen, aber eben auch ein Verlustrisiko einzugehen.

Letztlich wird es wohl eine Mischung aus beidem sein. Einerseits vermute ich, dass einige Banken bei dem letzten Langfristkredit der EZB mehr Geld angefrag haben als sie eigentlich benötigen – dieses wird nun wieder bei der EZB gelagert, um im Notfall darauf zugreifen zu können. Gleichzeitig werden allerdings auch Risiken abgebau, und das wohl nicht zuletzt im Hinblick auf die schärfer werdenden Eigenkapitalanforderungen, womit Käufe italienischer, portugisischer oder gar griechischer Staatsanleihen wegfallen. Besorgniserregend ist es allemal dass so viel Liquidität bei der Europäischen Zentralbank gelagert wird, denn im Umkehrschluss lässt es den Interbankenmarkt in einem schlechten Licht erscheinen. Panik ist dennoch unangebracht, weil durch die EZB Mitte Dezember viel neue Liquidität vergeben wurde, welche nun verwahrt werden muss.


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Bankrun in Lettland und Griechenland

Dass die Bürger den Banken immer weniger trauen ist angesichts der Entwicklungen um die PIIGS und die Finanzmärkte nicht weiter verwunderlich. Ebenso ist bekannt, dass nur ein kleiner Teil der Menschen den Kontroll- und Aufsichtsorganen vertraut. Besonders deutlich wurde dies am Wochenende in Lettland. Dort gab es einen Ansturm auf die Geldautomaten der Swedbank, nachdem es in sozialen Netzwerken Gerüchte um eine bevorstehende Insolvenz der Bank gab. Insgesamt wurden am Wochenende rund 30 Millionen Euro abgehoben und damit acht Mal so viel wie sonst. Dabei wurde völlig ignoriert, dass die Swedbank erst vor wenigen Tagen ohne Probleme durch den Stresstest der Europäischen Bankenaufsicht EBA gekommen war.

Ohne die genaue finanzielle Situation der Swedbank zu kennen, kann man generell festhalten dass die Menschen – sofern sie überhaupt nähere Informationen zu dem Stresstest haben – diesen gänzlich zu ignorieren scheinen. Da stellt sicht die Frage, wie es den Politikern in Brüssel, aber auch in den Landesregierungen gelingen soll, das Vertrauen der Bürger und der Finanzmärkte zurückzugewinnen, wenn Gerüchte von Facebook&Co ausreichen um einen aufwändigen Stresstest vergessen zu machen. Natürlich liegt das Problem einerseits darin dass die Ergebnisse nicht an die breite Öffentlichkeit gebracht wurden, viel entscheidender dürfte allerdings die Qualität dieses Tests sein. Viel zu lasch wurde kontrolliert und die untersuchten Parameter waren schlichtweg realitätsfern. Amüsant, ja fast schon absurd erscheint auch ein ganz neues Gesetz in Lettland: dort ist es nämlich seit kurzem per Gesetz verboten Gerüchte zu verbreiten, die das Vertrauen der Bevölkerung in das Finanzsystem untergraben. Das wirkt ja fast so realitätsfern wie die Forderung Leerverkäufe zu verbieten. Schließlich sind in erster Linie die Banken für den drastischen Vertrauensverlust verantwortlich.

Wesentlich ernster ist die Lage in Griechenland, da es hier fundamentale Fakten und keine Gerüchte sind, welche für eine ausgeprägte Kapitalflucht verantwortlich sind. Nachdem im September bereits ein Mehrjahreshoch erreicht wurde, wurde dieses im Oktober nochmals getoppt. Insgesamt verringerte sich die Summe der Bankeinlagen in Griechenland um knapp 6,8 Milliarden Euro im Monat Oktober, im Setember hat diese Zahl noch bei 5,5 Milliarden Euro gelegen. Alleine im Oktober sind die Spareinlagen in Griechenland um etwa vier Prozent auf nun noch 176 Milliarden Euro gefallen. Für das gesamte Jahr 2011 ergibt sich bisher ein Minus von sage und schreibe zwanzig Prozent oder knapp 40 Milliarden Euro – eine Summe welche die ohnehin stark angeschlagenen griechischen Banken wohl nicht so einfach verkraften können. Der bisherige Kapitalbedarf griechischer Banken von geschätzen 17 Milliarden Euro dürfte sich schon bald als bei weitem nicht ausreichend herausstellen. Es scheint relativ klar, dass die Daten für November, Dezember und so weiter wohl immer schlechter ausfallen werden, bis das griechische Finanzsystem schließlich implodiert.


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