Bei seiner heutigen Rede vor der National Association for Business Economics hat FED-Präsident Ben Bernanke deutliche Hinweise in Richtung eines möglichen neuen Quantitative Easings (QE) gegeben. Ich habe im Folgenden einmal seinen Schlussteil/Zusammenfassung übersetzt:
Eine große Zahl von Indikatoren deutet momentan auf eine Erholung des US-Arbeitsmarktes hin, was grundsätzlich eine willkommene Entwicklung ist. Gleichzeitig ist die aktuelle Lage noch weit von dem Status “normal” entfernt, was beispielsweise an der hohen Anzahl von Langzeitarbeitslosen oder auch an der insgesamt hohen Arbeitslosenzahl und den Arbeitsstunden pro Woche zu sehen ist. Alle diese Daten liegen deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Zudem kann man sich nicht sicher sein, dass das aktuelle Erholungstempo noch über einen längeren Zeitraum anhält.
Dem okunschen Gesetz nach, dürfte der derzeitige Rückgang der Arbeitslosenquote mit einer Gegenbewegung der massiven Entlassungen Ende 2008/2009 zu begründen sein. Um diesen positive Entwicklung aufrechtzuerhalten, ist neben einer größeren Produktion auch ein verstärkter Konsum der Amerikaner notwendig. Dies ist ein Prozess, welcher durch eine Fortsetzung angebrachter Strategien unterstützt werden kann.
Ich habe heute außerdem über Langzeitarbeitslosigkeit gesprochen und erläutert, dass für deren starke Zunahme in der Rezession vor allem zyklische, nicht aber strukturelle Ursachen verantwortlich sind. Sofern diese Einschätzung korrekt ist, sind auch hier geeignete Maßnahmen zu Stärkung der Wirtschaft zielführend. Nichtsdestotrotz müssen wir die weitere Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit genau beobachten.
Wenn die Ursache der hohen Langzeitarbeitslosigkeit ein Mangel an Nachfrage zugrunde liegt und die Fortschritte in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geringer werden, könnten bei den Langzeitarbeitslosen zunehmend Wissenslücken entstehen und sie würden immer mehr den Anschluss verlieren. [Anmerkung: so würden sie den Anschluss an den Arbeitsmarkt verlieren, weil sie zu lange nicht in den allgemeinen Fortschritt eingebunden sind.] Dadurch könnte aus einem zyklischen ein strukturelles Problem werden.
Sollte diese Annahme [Anm.: zyklische statt strukturelle Ursachen] allerdings falsch sein und strukturelle Probleme für den starken Anstieg verantwortlich sein, wären die Möglichkeiten antizyklischer Maßnahmen begrenzt. Sollte dies der Fall sein, heißt das aber noch nicht, dass nichts unternommen werden kann. Sollten strukturelle Ursachen für den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit verantwortlich sein, ist es umso wichtiger, dass die richtigen Schritte unternommen werden, damit die Arbeiter ihre Fähigkeiten erhalten können, welche von der sich rasend schnell verändernden Wirtschaftumfeld gefordert werden.
Bernankes komplette Rede (englisch): http://federalreserve.gov/newsevents/speech/bernanke20120326a.htm
Es wird mehr als deutlich dass die FED willens ist, die nach wie vor nicht zufriedenstellende Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarktes zu bekämpfen. Viel deutlicher als Ben Bernanke es hier gemacht hat geht es eigentlich nicht, vor allem wenn man sich einmal die Wortlaute älterer Reden anschaut auf welche tatsächlich QE1, QE2 oder die Operation Twist gefolgt sind. Häufig wird die Aussage “erhöhte Wachsamkeit” bei Reden eines Notenbankpräsidenten schon als sicheres Indize dafür genommen, dass die Leitzinsen demnächst gesenkt werden – demensprechend deutlich ist die Formulierung “can be supported by continued accommodative policies” (kann durch eine Weiterführung geeigneter Maßnahmen unterstützt werden). Ob sich diese Aussage auf QE2 oder auf die Operation Twist bezieht bleibt abzuwarten, ich halte ersteres allerdings für wahrscheinlicher.
Natürlich ist auch noch nicht beschlossen dass die FED dem Markt erneut Liquidität zuführen wird. Nicht zuletzt einige andere FOMC-Mitglieder, welche einer solchen Aktion zustimmen müssten, sind skeptisch, inwieweit neues Geld zur Behebung der Probleme führt und nicht evtl. neue (Inflation) verursacht. Im April, beim nächsten FOMC-Meeting, werden wahrscheinlich Fakten geschaffen.
Klar aber ist, dass die Börsen Bernankes Aussagen heute mehr als positiv aufgenommen haben. Nahezu alle Anlageklassen konnten zulegen, besonders spekulative Anlagen wie Aktien und Edelmetalle haben heute kräftige Zuwächse erfahren. Sollte es tatsächlich eine Art QE3 schon im April geben, wären die Märkte über einen langen Zeitraum einer Liquiditätsflut ausgesetzt. Angefangen mit dem ersten Langfristtender der EZB im Dezember 2011, über den zweiten Langfristtender, bis zu QE3 oder einem ähnlichen Programm. Wie lange dann noch fast sichere Kursgewinne möglich sind bleibt abzuwarten, denn nach und nach könnten sich die Finanzmärkte an einen dauerhaften Liquiditätszufluss gewöhnen.