In den letzten Tagen und Wochen sind die Aktienmärkte in einen soliden, aber noch mäßigen Abwärtstrend übergegangen. Als fundamentaler Hauptgrund dafür darf vor allem Griechenland angesehen werden: die Regierung ist schon kurz nach der Wahl zum Scheitern verurteilt gewesen, inzwischen führt kein Weg um Neuwahlen herum. Die Gefahr, dass bei dieser Neuwahl die extremen Parteien aus dem linken und rechten Spektrum noch stärker werden könnten als bei der letzten Wahl vor wenigen Wochen ist nicht zu unterschätzen. Diese würden wahrscheinlich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone forcieren, was die Banken teuer zu stehen kommen würde.
Die Griechen wissen oder ahnen zumindest, was dort auf sie zukommen würde: eine Enteignung im großen Stil, zumindest was die Guthaben bei der Bank angeht. Die reichen Bürger haben ihr Geld natürlich schon lange außer Landes gebracht (nicht zuletzt um den Steuern zu entgehen), doch auch der “kleine Mann” scheint inzwischen gewillt zu handeln. So wurden in den letzten Tagen ca. 700 Millionen Euro von Konten in Griechenland abgehoben. Dies ist zwar noch kein Bankrun, abhängig von der weiteren Entwicklung in Griechenland könnte dieser allerdings nicht mehr lange auf sich warten lassen, was auch die griechische Zentralbank so sieht.
Sollte Griechenland aus der Eurozone austreten – was inzwischen ja sogar sonst grenzenlose Euro-Optimisten wie Herr Schäuble für möglich halten – würde dies massive Verluste für die Banken bedeuten. Die neue griechische Währung würde sofort massiv abwerten, womit der reale Wert der griechischen Schulden (und hier nicht nur die Staats- sondern auch die Unternehmensschulden) in sich zusammenschrumpfen würde. An diesem Punkt wird es natürlich wirklich spannend, vor allem weil sich die Risikokontrolle vieler Großbanken durch die Krise nicht nachhaltig zu ändern gehaben scheint. JP Morgan musste dies bereits öffentlich zugeben, doch warum sollte diese Bank sich so sehr von Mitstreitern wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, Unicredit oder der Deutschen Bank unterscheiden? Im Pessimalfall treffen also hohe Ausfälle auf Gläubiger mit schlechtem Risikomanagement.
Soviel in Kurzform zur Situation in Griechenland, auch die Verbindung zum globalen Bankensektor habe ich kurz aufgezeigt. Nun wird es Zeit, sich einmal mit der Einschätzung der Börsen zu beschäftigen, denn Kurse verraten häufig mehr über die Entwicklungen als die normalen Nachrichten. Momentan bietet sich kein schönes Bild.
Der folgende Chart zeigt die Zinsen der verschiedenen Staatsanleihen. Die blauen Zahlen sind der aktuell zu zahlende Zinssatz, die schwarzen Zahlen stellen die Veränderung zum Vortag dar. Angezeigt werden die Daten von gestern (15.05.), heute sind die Zahlen allerdings kaum verändert. Zu sehen ist, dass die Zinsen auf breiter Front gestiegen sind und teilweise astronomische Höhen erreicht haben. Griechenland kann man fast außenvor lassen, denn dieses Land ist schlichtweg pleite. Interessant sind vor allem die Zinsen von Spanien und Italien. Diese bewegen sich zwar noch nicht in einem besonders kritischen Bereich, nähern sich diesem aber wieder deutlich an.

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Soviel zu den Staaten. Nun folgt ein detaillierter Blick auf die Banken, welche quasi die Hauptgefahrenquelle für das Weltfinanzsystem und damit für die Wirtschaft darstellen. CDS (Credit Default Swaps) sind Kreditausfallversicherungen, über welche sich Gläubiger gegen einen Zahlungsausfall des Schuldners absichern können. Quasi eine Versicherung für Kredite. Kleine Randnotiz: CDS wurden kurz vor der Finanzkrise durch JP Morgan “erfunden”, die Bank also, welche jetzt rund zwei Milliarden Dollar mit eben diesen Derivaten verloren hat… . Es gilt: je teurer ein CDS ist, desto höher wird das Ausfallrisiko vom Markt eingeschätzt.
Der folgende Chart gibt einen guten Überblick über die Entwicklung der CDS einiger großer Banken. Auch diese Grafik ist von gestern (15.05.), durch die angezeigte Entwicklung der letzten fünf Tage ist dies allerdings nicht entscheident. Die beiden italienischen Banken haben unter der Abstufung durch Moody’s gelitten, bei den amerikanischen Instituten dürfte JP Morgan zumindest eine (Teil)-Schuld haben und die französischen Banken leiden in besonderem Maße unter dem neuerlichen Zittern um Griechenland. Anhand des “US Banks CDS Average” kann man die CDS-Werte der einzelnen Institute relativ gut einordnen.

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Doch nicht nur an den CDS ist abzulesen dass es um den Bankensektor nicht zum besten bestellt ist; auch der Dow Jones Stoxx 600 Banks Index, welcher die größten europäischen Banken (nach freier Marktkapitalisierung) enthält, befindet sich seit vielen Wochen im Abwärtstrend. Er notiert inzwischen unter seinem 200er Tage Durchschnitt und nähert sich seinem Tief aus dem Herbst 2011.

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Damit zeigt der Dow Jones Stoxx 600 Banks Index relative Schwäche zu den großen Aktienindizex (u.a. Dow Jones und Dax) und ist somit ein warnendes Signal. Die Banken laufen dem Gesammarkt immer ein bischen voraus, zudem bedingt ein Trend der großen Indizes auch einen entsprechenden Trend der Bankaktien. Ein Beispiel: im August letzten Jahres kam es zu einem kleinen Crash an den Aktienmärkten – der Stoxx 600 Banks Index war jedoch schon einige Monate vorher in den Abwärtsmodus übergegangen. Dies war zwar noch nicht der Zeitpunkt an dem die Kurse rapide absackten, der Aufwärtstrend an den Märkten war aber beendet.
Es kann sich also durchaus lohnen die Entwicklung des Stoxx 600 Banks Index und des Dow Jones zu vergleichen, der folgende Chart setzt die Entwicklung beider Indizes ins Verhältnis zueinander. Wer den Verlauf beider Linien im Frühjahr/Sommer 2011 und heute vergleicht, wird erstaunliches entdecken. Übrigends ist auch die fundamentale Situation durchaus vergleichbar: damals lief QE2 aus, heute verfliegt der Effekt der beiden Langfristtender (LTRO) der EZB zunehmend. Damals herrschte Angst bezüglich eines möglichen Schuldenschnittes in Griechenland, heute herrscht Angst dass die Griechen aus der Eurozone austreten…

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Last but not least kann man auch mal einen Blick auf die relative Entwicklung einzelner Finanzaktien zu ihrem Index riskieren. Fangen wir beim US-Markt an: hier habe ich einmal die Kursentwicklungen der vier großen im Dow Jones Index notierten Banken (MS, GS, BoA und JPM) ins Verhälts eben zum Dow Jones gesetzt. Letztlich unterscheidet sich das Bild nicht so sehr vom Verlauf Dow Jones/Stoxx 600 Banks Index, es ist aber relativ deutlich dass die Banken ihr Hoch bereits gesehen haben und deutlich nach unten gedreht sind, während sich der Dow Jones noch relativ wacker hält. Es ist eher davon auszugehen dass der Dow Jones den Banken folgt, als dass sich die Kurse der Bankaktien mittels einer massiven Erholung an den Dow Jones annähern.

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Als letztes noch ein Blick auf den deutschen Markt. Auch hier ein sogenannter Spread-Chart, also ein Chart welcher die relative Kursentwicklung verschiedener Wertpapiere zueinander zeigt. Enthalten diesmal: Dax, Allianz, Deutsche Bank sowie das “schwarze Schaaf” der deutschen Bankenbranche, die Commerzbank (gleich in der passenden Farbe…). Hier fällt vor allem auf, dass der Dax den Banken bereits relativ konstant gefolgt ist. Sowohl die Allianz, als auch die Deutsche Bank (durch ihr starkes Investment Banking die “amerikanischste” unter den deutschen Banken) haben ihr Hoch Ende März 2012 markiert und sind seitdem in einem Abwärtstrend. Soweit entsprechen sie dem Verlauf der amerikanischen Banken sowie dem Stoxx 600 Banks Index. Im Unterschied zum Dow Jones ist der Dax diesen Weg jedoch deutlich stärker mitgegangen als sein amerikanisches Pendant.

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Viel Text, viele Charts und doch ist die Kernaussage relativ kurz: durch die Entwicklung der Staatsschuldenkrise in Europa (später auch in anderen Teilen der Welt) kommen die Banken in eine immer schwierigere Situation. Wie bereits zu Anfang geschrieben, treffen große potentielle Verluste auf ein häufig schlechtes Risikomanagement der Banken. Im Großen und Ganzen bestimmen die Bankaktien den Trend des Gesamtmarktes und diese zeigen momentan eine klare relative Schwäche. Die Entwicklung der CDS auf viele Großbanken unterstützt die These, dass es nach ein paar Monaten der – durch die Notenbanken erkauften – Ruhe nun wieder ungemütlicher an den Finanzmärkten werden dürfte. Natürlich vorausgesetzt, es folgt nicht QE3 durch die FED oder LTRO3 durch die EZB.
Was noch hinzukommt: um die immer strenger werdenden Eigenkapitalvorschriften erfüllen zu können, müssen die Banken Risiken abbauen und sich in diesem Zuge auch von Wertpapieren wie Derivaten, Aktien oder (Staats-)Anleihen trennen. Die Devise heißt momentan also eher risk off. Durch das dadurch steigende Angebot, bei konstanter bis sinkender Nachfrage, entsteht ein weiterer Faktor welcher die Kurse an den Märkten drücken dürfte. Gold und auch Silber haben dies schon zu spüren bekommen…