Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Aktuelles’

Facebook: Kampf der Maschienen beim Börsengang

Nach langem Warten war es heute entlich soweit: Facebook hat den Schritt an die Börse getan. Es war nicht nur der größte Börsengang eines Technologieunternehmens überhaupt, sondern nach VISA auch der insgesamt größte Börsengang den es in den USA jemals gegeben hat. Bei einem auf $38 taxierten Ausgabepreis und 421,2 Millionen Aktien ergibt sich damit eine Marktkapitalisierung von 16 Milliarden US-Dollar und ein Unternehmenswert von ca. $106 Milliarden. Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen ob Facebook damit überbewertet ist oder nicht, dieses Thema wurde bereits thematisiert: Facebook und die Börse. Wer sich jedoch auf einen furiosen Handelsstart gefreut hat, wurde bitter enttäuscht.

So war der Handelsstart ursprünglich für 11 Uhr New Yorker Zeit geplant, also 17 Uhr deutscher Zeit. Aufgrund der enormen Nachfrag musste der Start durch die Nasdaq allerdings mehrmals nach hinten verschoben werden, da das order-matching deutlich aufwändiger war als erwartet. Um 17.26 Uhr deutscher Zeit schließlich wurde der erste Preis gestellt, welcher mit 42 US-Dollar allerdings deutlich über dem geplanten IPO-Preis von $38 lag – somit war Facebook nochmals gut zehn Milliarden Dollar mehr wert.

Die Verzögerung des Handelsbeginns war allerdings das kleinste Problem, auffällig ist vor allem der uninteressante Kursverlauf der Aktie. Während man von anderen Börsengängen wie dem des Karriereportals LinkedIn teilweise Kursteigerungen von weit über 100% innerhalb des ersten Handelstages kannte, hingen die Erwartungen bei bei der Facebook-Aktie entsprechend hoch. Doch selbst wesentlich bescheidenere Erwartungshaltungen wurden bitter enttäuscht, was nicht zuletzt der Nasdaq zu verdanken ist. Neben der Verzögerung des Handelsstarts, hatte man auch in den ersten rund zwei Stunden immer wieder mit technischen Problemen zu kämpfen, weshalb viele Orders entweder nicht durchgestellt wurden, oder aber einfach “verloren” gingen. Am besten bedient waren noch die Händler, deren Kaufaufträge nicht ausgeführt wurden – wer allerdings bereits investiert war und seine Position schließen wollte, fand sich in einer sehr unangenehmen Situation wieder. In der Regel kam nichteinmal eine Fehlermeldung, die Order wurde einfach ignoriert bzw. von der Nasdaq nicht abgearbeitet.

Wer sich dadurch von weiteren Trades hat abschrecken lassen, hat sich zumindest dem “Kampf der Maschienen” entzogen, da der Facebook-Handel relativ deutlich von automatischen Systemen beeinflusst wurde. Besonders umkämpft waren die Levels bei $42, $40, $39 sowie $38. Die folgenden Charts machen relativ klar dass dort algorithmische Systeme am Werke waren (alles 200-Tick-Charts):

Quelle: zerohedge.com
zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

                                                                                                                                                    Quelle: zerohedge.com
zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Quelle: zerohedge.com
zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Eventuell folgt in den nächsten Tagen noch Video, welches einen kleinen Einblick in die ersten Handelsstunden gibt und sehr schön verdeutlicht wie präzise einzelne Preisniveaus gehandelt wurden.

Kategorien:Aktuelles, Finanzmärkte

Es sieht nicht gut aus bei den Banken

16. Mai 2012 2 Kommentare

In den letzten Tagen und Wochen sind die Aktienmärkte in einen soliden, aber noch mäßigen Abwärtstrend übergegangen. Als fundamentaler Hauptgrund dafür darf vor allem Griechenland angesehen werden: die Regierung ist schon kurz nach der Wahl zum Scheitern verurteilt gewesen, inzwischen führt kein Weg um Neuwahlen herum. Die Gefahr, dass bei dieser Neuwahl die extremen Parteien aus dem linken und rechten Spektrum noch stärker werden könnten als bei der letzten Wahl vor wenigen Wochen ist nicht zu unterschätzen. Diese würden wahrscheinlich einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone forcieren, was die Banken teuer zu stehen kommen würde.

Die Griechen wissen oder ahnen zumindest, was dort auf sie zukommen würde: eine Enteignung im großen Stil, zumindest was die Guthaben bei der Bank angeht. Die reichen Bürger haben ihr Geld natürlich schon lange außer Landes gebracht (nicht zuletzt um den Steuern zu entgehen), doch auch der “kleine Mann” scheint inzwischen gewillt zu handeln. So wurden in den letzten Tagen ca. 700 Millionen Euro von Konten in Griechenland abgehoben. Dies ist zwar noch kein Bankrun, abhängig von der weiteren Entwicklung in Griechenland könnte dieser allerdings nicht mehr lange auf sich warten lassen, was auch die griechische Zentralbank so sieht.

Sollte Griechenland aus der Eurozone austreten – was inzwischen ja sogar sonst grenzenlose Euro-Optimisten wie Herr Schäuble für möglich halten – würde dies massive Verluste für die Banken bedeuten. Die neue griechische Währung würde sofort massiv abwerten, womit der reale Wert der griechischen Schulden (und hier nicht nur die Staats- sondern auch die Unternehmensschulden) in sich zusammenschrumpfen würde. An diesem Punkt wird es natürlich wirklich spannend, vor allem weil sich die Risikokontrolle vieler Großbanken durch die Krise nicht nachhaltig zu ändern gehaben scheint. JP Morgan musste dies bereits öffentlich zugeben, doch warum sollte diese Bank sich so sehr von Mitstreitern wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, Unicredit oder der Deutschen Bank unterscheiden? Im Pessimalfall treffen also hohe Ausfälle auf Gläubiger mit schlechtem Risikomanagement.

Soviel in Kurzform zur Situation in Griechenland, auch die Verbindung zum globalen Bankensektor habe ich kurz aufgezeigt. Nun wird es Zeit, sich einmal mit der Einschätzung der Börsen zu beschäftigen, denn Kurse verraten häufig mehr über die Entwicklungen als die normalen Nachrichten. Momentan bietet sich kein schönes Bild.

Der folgende Chart zeigt die Zinsen der verschiedenen Staatsanleihen. Die blauen Zahlen sind der aktuell zu zahlende Zinssatz, die schwarzen Zahlen stellen die Veränderung zum Vortag dar. Angezeigt werden die Daten von gestern (15.05.), heute sind die Zahlen allerdings kaum verändert. Zu sehen ist, dass die Zinsen auf breiter Front gestiegen sind und teilweise astronomische Höhen erreicht haben. Griechenland kann man fast außenvor lassen, denn dieses Land ist schlichtweg pleite. Interessant sind vor allem die Zinsen von Spanien und Italien. Diese bewegen sich zwar noch nicht in einem besonders kritischen Bereich, nähern sich diesem aber wieder deutlich an.

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Soviel zu den Staaten. Nun folgt ein detaillierter Blick auf die Banken, welche quasi die Hauptgefahrenquelle für das Weltfinanzsystem und damit für die Wirtschaft darstellen. CDS (Credit Default Swaps) sind Kreditausfallversicherungen, über welche sich Gläubiger gegen einen Zahlungsausfall des Schuldners absichern können. Quasi eine Versicherung für Kredite. Kleine Randnotiz: CDS wurden kurz vor der Finanzkrise durch JP Morgan “erfunden”, die Bank also, welche jetzt rund zwei Milliarden Dollar mit eben diesen Derivaten verloren hat… . Es gilt: je teurer ein CDS ist, desto höher wird das Ausfallrisiko vom Markt eingeschätzt.

Der folgende Chart gibt einen guten Überblick über die Entwicklung der CDS einiger großer Banken. Auch diese Grafik ist von gestern (15.05.), durch die angezeigte Entwicklung der letzten fünf Tage ist dies allerdings nicht entscheident. Die beiden italienischen Banken haben unter der Abstufung durch Moody’s gelitten, bei den amerikanischen Instituten dürfte JP Morgan zumindest eine (Teil)-Schuld haben und die französischen Banken leiden in besonderem Maße unter dem neuerlichen Zittern um Griechenland. Anhand des “US Banks CDS Average” kann man die CDS-Werte der einzelnen Institute relativ gut einordnen.

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Doch nicht nur an den CDS ist abzulesen dass es um den Bankensektor nicht zum besten bestellt ist; auch der Dow Jones Stoxx 600 Banks Index, welcher die größten europäischen Banken (nach freier Marktkapitalisierung) enthält, befindet sich seit vielen Wochen im Abwärtstrend. Er notiert inzwischen unter seinem 200er Tage Durchschnitt und nähert sich seinem Tief aus dem Herbst 2011.

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Damit zeigt der Dow Jones Stoxx 600 Banks Index relative Schwäche zu den großen Aktienindizex (u.a. Dow Jones und Dax) und ist somit ein warnendes Signal. Die Banken laufen dem Gesammarkt immer ein bischen voraus, zudem bedingt ein Trend der großen Indizes auch einen entsprechenden Trend der Bankaktien. Ein Beispiel: im August letzten Jahres kam es zu einem kleinen Crash an den Aktienmärkten – der Stoxx 600 Banks Index war jedoch schon einige Monate vorher in den Abwärtsmodus übergegangen. Dies war zwar noch nicht der Zeitpunkt an dem die Kurse rapide absackten, der Aufwärtstrend an den Märkten war aber beendet.

Es kann sich also durchaus lohnen die Entwicklung des Stoxx 600 Banks Index und des Dow Jones zu vergleichen, der folgende Chart setzt die Entwicklung beider Indizes ins Verhältnis zueinander. Wer den Verlauf beider Linien im Frühjahr/Sommer 2011 und heute vergleicht, wird erstaunliches entdecken. Übrigends ist auch die fundamentale Situation durchaus vergleichbar: damals lief QE2 aus, heute verfliegt der Effekt der beiden Langfristtender (LTRO) der EZB zunehmend. Damals herrschte Angst bezüglich eines möglichen Schuldenschnittes in Griechenland, heute herrscht Angst dass die Griechen aus der Eurozone austreten…

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Last but not least kann man auch mal einen Blick auf die relative Entwicklung einzelner Finanzaktien zu ihrem Index riskieren. Fangen wir beim US-Markt an: hier habe ich einmal die Kursentwicklungen der vier großen im Dow Jones Index notierten Banken (MS, GS, BoA und JPM) ins Verhälts eben zum Dow Jones gesetzt. Letztlich unterscheidet sich das Bild nicht so sehr vom Verlauf Dow Jones/Stoxx 600 Banks Index, es ist aber relativ deutlich dass die Banken ihr Hoch bereits gesehen haben und deutlich nach unten gedreht sind, während sich der Dow Jones noch relativ wacker hält. Es ist eher davon auszugehen dass der Dow Jones den Banken folgt, als dass sich die Kurse der Bankaktien mittels einer massiven Erholung an den Dow Jones annähern.

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Als letztes noch ein Blick auf den deutschen Markt. Auch hier ein sogenannter Spread-Chart, also ein Chart welcher die relative Kursentwicklung verschiedener Wertpapiere zueinander zeigt. Enthalten diesmal: Dax, Allianz, Deutsche Bank sowie das “schwarze Schaaf” der deutschen Bankenbranche, die Commerzbank (gleich in der passenden Farbe…). Hier fällt vor allem auf, dass der Dax den Banken bereits relativ konstant gefolgt ist. Sowohl die Allianz, als auch die Deutsche Bank (durch ihr starkes Investment Banking die “amerikanischste” unter den deutschen Banken) haben ihr Hoch Ende März 2012 markiert und sind seitdem in einem Abwärtstrend. Soweit entsprechen sie dem Verlauf der amerikanischen Banken sowie dem Stoxx 600 Banks Index. Im Unterschied zum Dow Jones ist der Dax diesen Weg jedoch deutlich stärker mitgegangen als sein amerikanisches Pendant.

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Viel Text, viele Charts und doch ist die Kernaussage relativ kurz: durch die Entwicklung der Staatsschuldenkrise in Europa (später auch in anderen Teilen der Welt) kommen die Banken in eine immer schwierigere Situation. Wie bereits zu Anfang geschrieben, treffen große potentielle Verluste auf ein häufig schlechtes Risikomanagement der Banken. Im Großen und Ganzen bestimmen die Bankaktien den Trend des Gesamtmarktes und diese zeigen momentan eine klare relative Schwäche. Die Entwicklung der CDS auf viele Großbanken unterstützt die These, dass es nach ein paar Monaten der – durch die Notenbanken erkauften – Ruhe nun wieder ungemütlicher an den Finanzmärkten werden dürfte. Natürlich vorausgesetzt, es folgt nicht QE3 durch die FED oder LTRO3 durch die EZB.

Was noch hinzukommt: um die immer strenger werdenden Eigenkapitalvorschriften erfüllen zu können, müssen die Banken Risiken abbauen und sich in diesem Zuge auch von Wertpapieren wie Derivaten, Aktien oder (Staats-)Anleihen trennen. Die Devise heißt momentan also eher risk off. Durch das dadurch steigende Angebot, bei konstanter bis sinkender Nachfrage, entsteht ein weiterer Faktor welcher die Kurse an den Märkten drücken dürfte. Gold und auch Silber haben dies schon zu spüren bekommen…

Chart-Check: Dax auf kurzfristiger Unterstützung

4. April 2012 1 Kommentar

Hier eine kurze Analyse des Dax, nachdem der Einbruch heute doch deutliche Spuren im Chart hinterlassen hat. So hat sich ein Abwärtstrendkanal im Stundenchart gebildet, an dessen unterer Begrenzung der Kurs zum Handelsende stehengeblieben bzw. leicht abgeprallt ist. In Verbindung mit der kurzfristig deutlichen Überverkauftheit, welche sowohl im RSI als auch im MACD ersichtlich ist, ergibt sich somit ein klar bullishes Bild für Donnerstag, den letzten Handelstag dieser Woche. Da sich im Tageschart die Anzeichen für eine – überfällig – umfangreichere Korrektur mehren, könnte dieser Anstieg für eine Glattstellung einiger Longpositionen genutzt werden (u.U. auch hier im Blog).

Dax: Stundenchart seit 05.03.2012, 9 Uhr

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

FED: Meeting-Minutes vom 03.04.2012

3. April 2012 1 Kommentar

Heute um 20 Uhr (MEZ) wurden die Inhalte der Sitzung des Offenmarktaussschusses der FED veröffentlicht. Hier eine kurze Übersicht über die wichtigsten Inhalte:

  • Vorerst keine Notwendigkeit für weitere geldpolitische Lockerungen
  • Weniger Mitglieder als im Januar-Meeting sahen die Notwendigkeit für weitere geldpolitischen Lockerungen
  • Von den hohen Ölpreisen gehe keine inflationäre Gefahr aus
  • US-Wirtschaft im März nur mit schwachem Wachstum
  • Die aktuellen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt seien zwar positiv, allerdings ist eine Abschwächung im Jahresverlauf nicht unwahrscheinlich (ähnlich den Jahren zuvor). Kommentar: dies wird wohl eher nicht passieren, jedenfalls nicht bis die Präsidentenwahl im November entschieden ist.
  • Die Belastungen in den globalen Finanzmärkten haben seit Januar abgenommen, stellten aber immer noch ein signifikantes Abwärts-Risiko dar
  • Eine Reihe von Faktoren könnte das Wirtschaftswachstum in den USA abschwächen, darunter ein langsameres Wachstum der Weltwirtschaft und eine Rücknahme geldpolitischer Lockerungen

Insgesamt also wenig überraschendes, zumindest im Hinblick auf die amerikanischen Konjunkturaussichten der FED. Anders sieht die Lage allerdings bei dem Thema qantitative Lockerung aus. Hier waren noch zu Jahresanfang einige Personen des Aussschusses neuer Liquidität gegenüber eher positiv eingestellt, nun scheint sich die Stimmung geändert zu haben. Ein drastischer Meinungsumschwung hat allerdings nicht stattgefunden: zwar werden neue quantitative Lockerungen offenbar nicht für nötig gehalten, gleichzeitig stelle eine Reduzierung der aktuellen geldpolitischen Lockerungen eine Gefährdung für die US-Wirtschaft dar. Ganz vom Tisch ist das Thema also wohl nicht, aktuell scheint es jedoch andere Schwerpunkte zu geben.

Facebooks Börsengang wird konkret

Der lange erwartete Börsengang von Facebook steht offenbar in einigen Wochen bevor. Offenbar ist die IPO für den Mai diesen Jahres geplant, die Bewertung dürfte sich auf knapp 100 Milliarden US-Dollar belaufen. Grundlage dieser Schätzung ist der Handel über Plattformen wie SharesPost oder Secondmarket, wo Aktien von nocht nicht börsengelisteten Unternehmen gehandelt werden können. Diese Plattformen bieten beispielsweise Mitarbeitern die Möglichkeit, sich von Anteilen ihres Unternehmens zu trennen.

Laut Bloomberg wurde der dortige Handel mit Facebook-Anteilen rund einen Monat vor der Erstnotiz zum Ende dieser Woche hin eingestellt und damit ungewöhnlich früh. Unternehmen wie Twitter oder Groupon haben den Zweitmarkthandel erst am Tag vor dem Börsengang beendet. Bei der letzten Auktion auf SharePost am Freitag wurde für 150.000 Facebook-Anteile ein Preis von $44,10 geboten. Bei einer Aktienzahl von rund 2,33 Milliarden ergibt sich also eine Bewertung von 94,4 Milliarden US-Dollar. Mit einem Volumen von etwa $5 Milliarden soll Facebook der größte Internetbörsengang aller Zeiten werden.

Ich bin bereits ausführlich auf unterschiedliche Aspekte von Facebook und dem geplanten Börsengang eingegangen, nachzulesen hier: Facebook und die Börse.

Kategorien:Aktuelles, Finanzmärkte

FED: Hinweise auf QE3

26. März 2012 2 Kommentare

Bei seiner heutigen Rede vor der National Association for Business Economics hat FED-Präsident Ben Bernanke deutliche Hinweise in Richtung eines möglichen neuen Quantitative Easings (QE) gegeben. Ich habe im Folgenden einmal seinen Schlussteil/Zusammenfassung übersetzt:

Eine große Zahl von Indikatoren deutet momentan auf eine Erholung des US-Arbeitsmarktes hin, was grundsätzlich eine willkommene Entwicklung ist. Gleichzeitig ist die aktuelle Lage noch weit von dem Status “normal” entfernt, was beispielsweise an der hohen Anzahl von Langzeitarbeitslosen oder auch an der insgesamt hohen Arbeitslosenzahl und den Arbeitsstunden pro Woche zu sehen ist. Alle diese Daten liegen deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Zudem kann man sich nicht sicher sein, dass das aktuelle Erholungstempo noch über einen längeren Zeitraum anhält.

Dem okunschen Gesetz nach, dürfte der derzeitige Rückgang der Arbeitslosenquote mit einer Gegenbewegung der massiven Entlassungen Ende 2008/2009 zu begründen sein. Um diesen positive Entwicklung aufrechtzuerhalten, ist neben einer größeren Produktion auch ein verstärkter Konsum der Amerikaner notwendig. Dies ist ein Prozess, welcher durch eine Fortsetzung angebrachter Strategien unterstützt werden kann.

Ich habe heute außerdem über Langzeitarbeitslosigkeit gesprochen und erläutert, dass für deren starke Zunahme in der Rezession vor allem zyklische, nicht aber strukturelle Ursachen verantwortlich sind. Sofern diese Einschätzung korrekt ist, sind auch hier geeignete Maßnahmen zu Stärkung der Wirtschaft zielführend. Nichtsdestotrotz müssen wir die weitere Entwicklung der Langzeitarbeitslosigkeit genau beobachten.

Wenn die Ursache der hohen Langzeitarbeitslosigkeit ein Mangel an Nachfrage zugrunde liegt und die Fortschritte in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geringer werden, könnten bei den Langzeitarbeitslosen zunehmend Wissenslücken entstehen und sie würden immer mehr den Anschluss verlieren. [Anmerkung: so würden sie den Anschluss an den Arbeitsmarkt verlieren, weil sie zu lange nicht in den allgemeinen Fortschritt eingebunden sind.] Dadurch könnte aus einem zyklischen ein strukturelles Problem werden.

Sollte diese Annahme [Anm.: zyklische statt strukturelle Ursachen] allerdings falsch sein und strukturelle Probleme für den starken Anstieg verantwortlich sein, wären die Möglichkeiten antizyklischer Maßnahmen begrenzt. Sollte dies der Fall sein, heißt das aber noch nicht, dass nichts unternommen werden kann. Sollten strukturelle Ursachen für den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit verantwortlich sein, ist es umso wichtiger, dass die richtigen Schritte unternommen werden, damit die Arbeiter ihre Fähigkeiten erhalten können, welche von der sich rasend schnell verändernden Wirtschaftumfeld gefordert werden.

Bernankes komplette Rede (englisch): http://federalreserve.gov/newsevents/speech/bernanke20120326a.htm

Es wird mehr als deutlich dass die FED willens ist, die nach wie vor nicht zufriedenstellende Entwicklung des amerikanischen Arbeitsmarktes zu bekämpfen. Viel deutlicher als Ben Bernanke es hier gemacht hat geht es eigentlich nicht, vor allem wenn man sich einmal die Wortlaute älterer Reden anschaut auf welche tatsächlich QE1, QE2 oder die Operation Twist gefolgt sind. Häufig wird die Aussage “erhöhte Wachsamkeit” bei Reden eines Notenbankpräsidenten schon als sicheres Indize dafür genommen, dass die Leitzinsen demnächst gesenkt werden – demensprechend deutlich ist die Formulierung “can be supported by continued accommodative policies” (kann durch eine Weiterführung geeigneter Maßnahmen unterstützt werden). Ob sich diese Aussage auf QE2 oder auf die Operation Twist bezieht bleibt abzuwarten, ich halte ersteres allerdings für wahrscheinlicher.

Natürlich ist auch noch nicht beschlossen dass die FED dem Markt erneut Liquidität zuführen wird. Nicht zuletzt einige andere FOMC-Mitglieder, welche einer solchen Aktion zustimmen müssten, sind skeptisch, inwieweit neues Geld zur Behebung der Probleme führt und nicht evtl. neue (Inflation) verursacht. Im April, beim nächsten FOMC-Meeting, werden wahrscheinlich Fakten geschaffen.

Klar aber ist, dass die Börsen Bernankes Aussagen heute mehr als positiv aufgenommen haben. Nahezu alle Anlageklassen konnten zulegen, besonders spekulative Anlagen wie Aktien und Edelmetalle haben heute kräftige Zuwächse erfahren. Sollte es tatsächlich eine Art QE3 schon im April geben, wären die Märkte über einen langen Zeitraum einer Liquiditätsflut ausgesetzt. Angefangen mit dem ersten Langfristtender der EZB im Dezember 2011, über den zweiten Langfristtender, bis zu QE3 oder einem ähnlichen Programm. Wie lange dann noch fast sichere Kursgewinne möglich sind bleibt abzuwarten, denn nach und nach könnten sich die Finanzmärkte an einen dauerhaften Liquiditätszufluss gewöhnen.

Wochenendanalyse, 24.03.2012

Viel neues gibt es auch diese Woche nicht. Im S&P 500 haben wir ein minimales Pullback gesehen, im Nasdaq 100 eine kleine Seitwärtskonsolidierung. Wenn man sich die absoluten Zahlen in den Marktbreiteindikatoren ansieht, dann fällt schon auf, daß z.B. aktuell nur knapp 20% der Aktien über drei Monate mehr als 25% im Plus sind, während es Ende Februar z.B. zeitweise 30% waren; ebenso ist die Zahl der Werte, die 13% über 34 Tage zugelegt haben von 435 Mitte Februar auf aktuell 94 zurückgegangen.

Fazit: es gibt keinen Anhalt für einen nachhaltigen Abverkauf in der Marktbreite, aber der Kursanstieg scheint von zunehmend weniger Aktien getragen zu werden.

Mehr Charts und einen kurzen Kommentar gibts in meinem Blog.

Stock market CheatSheet, 24.03.2012

Kategorien:Aktuelles

Europa auf dem Weg in die nächste Rezession

Die wenigsten aufmerksamen Menschen wird es verwundern, auch hier im Blog wurde oft genug darauf hingewiesen: durch starkes sparen verringern sich nicht in erster Linie die Schulden eines Landes, sondern vor allem die Wirtschaftsleistung. Dies wird in den letzten Tagen durch diverse europäische Einkaufsmanagerindizes bestätigt. Grundlage dieser Indizes sind Befragungen ausgewählter Einkaufsmanager einiger Unternehmen hinsichtlich diverser Faktor, wie z.B. der aktuellen Auftragslage, Einkaufspreisen und der Anzahl an Exportaufträgen. Die Indizes haben einen Referenzwert von 50: ein Wert über 50 zeichnet ein positives Bild der Konjunkturaussichten, ein Wert kleiner als 50 deutet dementsprechend auf eine Rezession hin.

Schon seit längerer Zeit liegen die Werte in einigen europäischen Ländern (u.a. Griechenland, Italien und Spanien) deutlich unter 50 Punkten. Somit war klar, dass auch die Exportnation Deutschland mittelfristig nicht um einen Rezession herumkommen wird, wenn die Lage in den Absatzmärkten immer schlechter wird. Hier eine kleine Übersicht einiger Indexstände:

  • Frankreich: Industrie: 47,6; Dienstleistung: 50
  • Deutschland: Industrie: 48,1; Dienstleistung: 51,8
  • gesamte Eurozone: Industrie: 47,7; Dienstleistung: 48,7
  • China: Industrie: 48,1

Dies sind Erstschätzungen für März, in Italien und Spanien wird leider keine solche Erstschätzung vorgenommen. In den meisten anderen europäischen Staaten sieht die Lage nicht besser aus, im Gegenteil. Woher sollen nun also die Wachstumsimpulse kommen, wenn inzwischen auch China als “Konjunkturlokomotive” ausfällt? Dabei stellt sich auch die Frage, inwiefern die aktuellen Rekordstände an den Aktienmärkten gerechtfertigt sind. Sowohl der Dax, als auch der Dow Jones sind nicht mehr all zu weit von ihren Höchstständen aus dem Jahr 2007 entfernt – und das, obwohl die konjunkturellen Aussichten heute deutlich schlechter sind als damals.

Einer der Hauptgründe für die starke Performance der Aktienmärkte ist die viele neue Liquidität der Notenbanken. Doch sobald diese nicht mehr in die Märkte fließt, könnte es ungemütlich werden. Damit schließt sich der Kreis, denn je schlechter die wirtschaftliche Situation ist, desto mehr Geld werden die Banken als Risikopuffer horten. Somit können bspw. Verluste im Immobilienmarkt, welcher bei einer schlecht laufenden Konjunktur leidet, abgefehdert werden. Für die Aktienmärkte bleibt dann allerdings weniger Geld übrig und auch die Staatsanleihen von Italien, Spanien und Portugal dürften ab diesem Punkt wieder in den Blickpunkt rücken.

Eines darf man nicht vergessen: die Aktienkurse spiegeln momentan in den wenigsten Fällen die wirtschaftliche Situation oder die Aussichten wieder. Vielmehr wurde mit viel Geld eine parallele Scheinwelt aufgebaut, welche viele Menschen inzwischen wieder sagen lässt “ist doch alles nicht so schlimm, die Krise ist lange vorbei”. Doch sobald diese scheinbar perfekte Prallelwelt nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, wird sich die düstere Realität mehr als deutlich bemerkbar machen.

Ich möchte hier keine Panik schüren oder Pessimismus verbreiten und schon gar nicht dazu raten, sich gegen den aktuellen Aufwärtstrend zu stellen (auch wenn sich erste Schwächezeichen zeigen). Vielmehr möchte ich aufzeigen, dass man sich nicht von den Aussagen der meisten Politiker und Wirtschafts”experten” und schon gar nicht von den Aktienkursen blenden lassen sollte. Die Realität wird die Märkte zwangsläufig einholen und man ist immer in einer besseren Position als die Masse, wenn man selbst nicht davon überrascht wird.

Dax -3,4%: wo liegen die nächsten Ziele?

6. März 2012 2 Kommentare

Quasi alle Aktienbörsen verlieren heute deutlich, der Dax steht mit einem Minus von 3,4 Prozent bzw. 222 Punkten zum Xetra-Schluss weit oben auf der Verliererseite. Erklärt wird der Ruscht mit Sorgen um die europäische Konjunktur und das Krisenmanagement der EZB. So ist die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im letzten Quartal 2011 um 0,3 gesunken, die der italienischen Wirtschaft sogar um 0,7%. Diese Zahlen dürften zumindest all jene nicht verwundern, welche die Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes verfolgen. Auch hier im Blog hatte ich darauf hingewiesen, dass die Rallye an den Aktienmärkten die sich weiter verschlechternde Lage in Griechenland und Italien nur überdeckt, die Probleme aber irgendwann wieder durchbrechen werden – stärker als sie vorher waren.

Außerdem gab die EZB bekannt, dass ihre Bilanzsumme durch die beiden Langfristtender auf inzwischen über drei Billionen Euro angewachsen. Unter dem Punkt “Kapital und Rücklagen” sind allerdings nur 82,99 Millionen Euro verbucht. Damit weist die Bilanz der EZB einen Hebel von 36,14 auf, was einer deutlichen Steigerung gegenüber Anfang Januar 2012 entspricht.

Viel wichtiger als diese Fakten dürfte aber die grundlegende Stimmung der Mehrheit der Anleger sein. Aus Zeitgründen werde ich darauf morgen näher eingehen. Hier aber noch ein kurzer Blick auf den Chart des Dax. Es hat sich ein deutliches Doppeltop unter dem wichtigen Widerstand bei 6.990 Punkten gebildet, der Aufwärtstrendkanal ist schon seit eingien Tagen nicht mehr intakt (deshalb aus dem Chart gelöscht). Die nächsten Unterstützungen liegen nun bei:

  • 6.600 Punkten
  • 6.560 Punkten
  • 6.450 Punkten
  • 6.375 Punkten
  • 6.345 Punkten

Das mittelfristige Ziel liegt bei 6.200 Punkten, wobei in diesem Falle auch das erste von drei noch offenen Gaps geschlossen würde. Es scheint, als würde sich die bearishe Divergenz im MACD doch durchsetzen. Mehr zum Thema Divergenzen in den nächsten Tagen hier im Blog. Das bearishe Szenario wäre mit einem Anstieg über 6.990 Punkte nicht mehr intakt.

Dax: Tageschart seit 06.10.2011

zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken

Wochenendanalyse, 04.03.2012

4. März 2012 5 Kommentare

Man hat das Gefühl, daß die Spannung langsam unerträglich wird: seit zweieinhalb Monaten geht es nur aufwärts, eine gesunde Korrektur wäre schon Anfang Februar “sinnvoll” gewesen. Letzte Woche hatte ich geschrieben, daß die Marktbreite angefangen hatte zu schwächeln: das tut sich auch weiter. Vor allem im Nasdaq verläuft die A/D-Linie praktisch horizontal und auch im S&P hinkt sie deutlich hinterher; der avgDD Indiaktor, der den durchschnittlichen Abstand aller Aktien im Index von ihrem Jahreshoch mißt, schwächelt ebenfalls: während beide Indizes neue Jahreshochs machen, notieren die jeweiligen Aktien im Index noch deutlich unter ihren Hochs.

Das CheatSheet “entspannt” sich etwas: wir haben zwar dieses Jahr immer noch keine Tage mit signifikanten -4% Moves gesehen, aber in den letzten zwei Wochen auch nicht das positive Pendant dazu: der letzte +4% Tag war am 16. Februar. Am Freitag hat die 10-Tagesratio zu ersten Mal in diesem Jahr unter 0,10 notiert (immer noch im neutralen Bereich, bearish ist erst unter 0,50). Der neue OVB-Indikator, den ich vor zwei Wochen probeweise mal ins CheatSheet genommen habe, ist ebenfalls von bullish auf neutral gewechselt. Ob er als volumenbasierter Indikator tatsächlich dem Preis vorausläuft… mal sehen.

Insgesamt erwarte ich eine baldige Korrektur, wobei die möglichen Kursziele bei 2.400 Punkten im Nasdaq und 1.280 im S&P liegen.

Die restlichen Charts mit kurzer Zusammenfassung gibts auf meinem Blog.

S&P 500, Tageschart, Marktbreite, 04.03.2012

Nasdaq 100, Tageschart, Marktbreite, 04.03.2012

Nasdaq 100, Tageschart, Marktbreite, 04.03.2012

Stock market CheatSheet, 04.03.2012

Kategorien:Aktuelles
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 49 other followers