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Ist das schon die Lösung?

Der Dax explodiert heute gradezu, aktuell geht es um über 5 Prozent nach oben. Gezogen werden die Aktiemärkte von den Finanztiteln: Dt. Bank +14,7%, Commerzbank +13,6% und Aareak Bank +13,2 Prozent. Grund ist vor allem die Einigung auf dem Euro-Gipfel gestern Abend, wo in drei zentralen Fragen ein Konsens erziehlt wurde:

  • Umschuldung: Griechenlands Schuldenstand soll bis 2020 von aktuell 160 auf 120 Prozent des BIP reduziert werden. Dazu wird ein Schuldenschnitt von 50% vorgenommen, was bedeutet dass private Gläubiger auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten müssen. Staaliche Gläubiger und die EZB sind von der Umschuldung nicht betroffen. Allerdings werden bis 2014 weitere 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, woring auch Hilfen für griechische Banken eingerechnet sind, welche von der Umschuldung besonders hart betroffen sein werden.
  • Rekapitalisierung der Banken: damit die Forderungsverzicht nicht die Gefahr von Bankenpleiten nach sich zieht, müssen europäische Banken bis Mitte 2012 ihre Kernkapitalquote auf neun Prozent erhöhen. Das vor ca. einem Jahr beschlossene Basel III-Programm sah eine schrittweise Anhebung des Eigenkapitals auf 7 Prozent bis 2019 vor. Der durch die neue Regelung entstehende Finanzbedarf liegt bei: 30 Milliarden Euro (griechische Banken), 26,1 Mrd. Euro (spanische Banken), 14,7 Mrd. Euro (italienische Banken) und 8,8 Milliarden Euro bei französischen Banken. Deutsche Geldinstitute benöten ca. 5,2 Milliarden Euro. Erhöht werden kann die Eigenkapitalquote bspw. durch Kapitalerhöhungen, den Abbau risikoreicher Aktiva, Gewinnrückstellungen oder durch den Verkauf von Unternehmensteilen.
  • Stärkung der EFSF: momentan kann die EFSF effektiv Kredite über 440 Milliarden Euro vergeben, wovon noch 250 Mrd. € verfügbar sind. Um diese Schlagkraft der EFSF zu erhöhen gibt es nun zwei Vorschläge: entweder wird eine Art Hebel installiert, wobei die EFSF für einen bestimmten Prozentsatz der Staatsanleihen garantieren würde. Damit soll ein Anreiz für Investoren geschaffen werden, weiterhin Staatsanleihen zu kaufen. Bei der zweiten Variante würden Sondertöpfe eingerichtet, welche auch direkt Staatsanleihen kaufen könnten.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob dies der große Durchbruch bzw. die viel verbreitete Lösung der Schuldenkrise ist. Meiner Meinung nach ist es das ganz klar nicht. Es mag ein Schritt in die richtige Richtung sein, viele wichtige Fragen sind allerdings noch ungeklärt: was passiert wenn einzelne Banken die Anforderungen an die höhere Eigenkapitalquote nicht erfüllen können? Was passiert wenn das Eigenkapital erst im Frühjahr 2012 gestärkt wird, große Abschreibungen aber jetzt schon anstehen? Wird die Hebelung der EFSF so funktionieren wie geplant? Besonders letzteres wage ich stark zu bezweifeln. Es genügt ein Blick auf die Renditen griechischer Anleihen um zu sehen, dass die Probleme längst nicht aus der Welt geschafft sind:

Rendite 1 jähriger griechischer Staatsanleihen

zum Vergrößern bitte klicken

Rendite 10 jähriger griechischer Staatsanleihe

zum Vergrößern bitte klicken

Sieht das nach Vertrauen aus, wenn Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem Jahr eine Rendite von knapp 160 Prozent bringen? Eher nicht. Doch ohne Vertrauen der Marktteilnehmer in die Entscheidungen der Politik und die Zukunftsfähigkeit des Landes (hier Griechenland) ist eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren des Hebelmechanismus.

Außerdem sind elementare Probleme der Schuldenkrise nicht gelöst und nichtmal angesprochen worden. So werden die Schulden bisher nur umverteilt, dabei ist das Glas auch in anderen Ländern bereits randvoll. So steigen mit der Rettung Griechenlands, Irlands, Portugals und eventuellen anderen Ländern die Schulden der übrigen Staaten an. Dies kann sich allerdings weder Italien, noch Belgien, noch Frankreich und eigentlich auch Deutschland nicht leisten.

Bisher scheint nur der Brandherd Griechenland vorübergehend gelöscht. Was allerdings passiert, sollten sich die Märkte nun auf Italien einschießen, oder auch Frankreich ins Visier nehemen, dass ist vollkommen ungewiss. Dabei könnte sich die Lage in Italien etwas entspannen, sobald die Regierung verändert wird und mehr Vertrauen in die Selbige gesteckt wird. Für Frankreich könnten hingegen seine Banken ein ernsthaftes Problem werden, schließlich sind diese besonders stark in Griechenland, Italien und natürlich Frankreich selbst investiert.

Letztlich kann es keine angenehme Lösung für die ausufernden Staatsschulden geben, der Zinseszins wird jeden kleinen und später auch großen Fortschritt zunichte machen.

Ein sehr guter Artikel dazu auch bei Godmode-Trader: http://www.godmode-trader.de/nachricht/Bruesseler-Brandbeschleuniger,a2678415.html

  1. 6. November 2011 um 10:36 nachmittags | #1

    Endlich mal ein interessanter Beitrag, besten Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich die Seite leicht zugaenglich.

  1. 29. Oktober 2011 um 11:27 nachmittags | #1
  2. 21. Dezember 2011 um 11:20 vormittags | #2

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