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Schuldencut in Griechenland rückt näher

Griechenland ist für zwei Dinge bekannt: als Reiseziel und als Bankrottstaat. Die Verschuldung Griechenlands wird für das Jahr 2011 auf gut 150 Prozent des Bruttoinlandproduktes geschätzt, die Neuverschuldung betrug 2010 10,6 Prozent. Damit ist Griechenland das am höchsten verschuldetste Land in der EU. Nachdem die Zinsen für 10-jährige Staatsanleihen im April 2010 auf über 8,5 % angestiegen waren, musste die griechische Regierung am 23. April 2010 vor dem Druck der Finanzmärkte kapitulieren und finanzielle Hilfen von der EU und des IWF annehmen, um eine Insolvenz abzuwenden. Es wurden Kredite und Hilfen über 110 Milliarden Euro gewährt.

Seit dem war es relativ ruhig um Griechenland. Zwar wurde die Bonität durch die Ratingagenturen immer mal wieder gesenkt, der öffentliche Fokus richtete sich jedoch schon auf andere Länder der PIIGS-Gruppe (Portugal, Irland, Italien, Griechenland, Spanien). In der Zwischenzeit wurde Irland gerettet, Portugal steht momentan auch kurz vor einem Griff in den Rettungstopf von EU und IWF – und nun droht in Griechenland plötzlich eine Umschuldung. So hat der IWF die Helenen offenbar aufgegeben. Laut einem Bericht des ‘Spiegel’, forderten hochrangige Vertreter des Währungsfonds in den vergangenen Tagen bei Gesprächen mit Beamten europäischer Regierungen eine Umschuldung Griechenlands.

Möglich seien ein Schuldenschnitt, die Verlängerung der Laufzeiten von Anleihen oder niedrigere Zinszahlungen. Alle drei Maßnahmen haben jedoch eins gemeinsam: sie bringen die Besitzer griechischer Staatsanleihen um einen Teil ihrer Rendite oder sogar ihres Geldes. Nach den Vorstellungen des IWF solle die griechische Regierung schon bald Gespräche mit ihren Gläubigern aufnehmen und ihnen die geplante Umschuldung mitteilen. Der IWF schrecke allerdings noch davor zurück seine Überlegungen öffentlich zu machen, weil er fürchte, dass das ebenfalls angeschlagene Portugal dadurch in noch größere Schwierigkeiten geraten könnte, berichtet der ‘Spiegel’ weiter.

Der griechische Finanzminister, Giorgos Papakonstantinou, hatte ähnliche Gerüchte bereits dementiert. Die britische Zeitschrift ‘Economist’ hatte berichtet, Griechenland, Irland und Portugal seien bereits bankrott und sollten eine Umschuldung in die Wege leiten. “Es gibt kein solches Thema”, sagte Papakonstantinou am Samstag dazu im griechischen Fernsehen. Auch der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagt immer wieder: “Wir werden jeden Cent zurückzahlen”. Die Erfahrung lehrt uns allerdings, dass solche Aussagen kaum Bedeutung haben. So wurde auch in Irland noch wenige Tage bevor der europäische Rettungsschirm eingreifen musste verkündet, dass Irland ohne externe Hilfen aus dieser Situation rauskommen werde. Was daraus geworden ist sieht man deutlich. In Portugal sind die Lippenbekentnnisse ähnlich, auch hier wird die EU un der IWF bald helfen müssen.

Dabei liegt die Umschuldung in Athens Straßen bereits in der Luft. Kaum noch ein Betrieb sei liquide, wie Einheimische sagen. “Die Umschuldung steht in der Luft, nur sie ist noch nicht sichtbar”, sagte Nikos Wroussis, ein Finanz- und Steuerberater, der dpa. Wenn dies aber nur die griechischen Gläubiger betreffe, dann hätte das katastrophale Folgen für den Wohlstand vor allem der Rentner, so Wroussis weiter.

Besonders spannend werde die Folgen einer Umschuldung für europäische Banken. So halten alleine die deutschen und französischen Banken griechische Staatsanleihen im Wert von 119 Milliarden Dollar (83 Milliarden Euro). Sollte es zu einem Schuldencut kommen, wenn Gläubiger also auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen, so dürfte das zu enormen Abschreibungen bei den betreffenden Banken kommen. Aber auch eine Verlängerung der Laufzeiten oder eine Senkung der zu zahlenden Zinsen würde wohl zu Abschreibungen in Milliardenhöhe bei den Instituten führen. Wahrscheinlich muss dann wieder der Staat eingreifen, oder aber die für Donnerstag angesetzte Leitzinserhöhung der EZB wird doch noch verschoben, damit sich die europäischen Banken leichter refinanzieren können. Dies würde ich auch den irischen Problembanken zugute kommen, die aktuell wieder 24 Milliarden Euro benötigen.

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